Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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nachterfüllter Tiefe, drüben ſtieg die ſteile Felſenmauer em⸗ por. Die ſüße Schöne blickte ihn flehend, angſtvoll an. Er fühlte, daß ſie ihm ſage:„Haſt Du Muth, haſt Du Liebe, ſo fürchte dieſen Abgrund nicht, wirf Dich mit mir hinab!“ Sie umſchlang ihn mit den weißen Armen, Himmelsſelig⸗ keit durchſtrömte ihn, er preßte die Holde gegen ſeine Bruſt und that den entſchloſſenen Schritt vorwärts. Da ſtrahlte der Lichtſchein von ihrer glänzenden Blüthenkrone in das dunkle Thal hernieder und leuchtete die wilden Felſen an. Sie erſchienen durchſichtig und drüben hinter den granitenen Thürmen und Säulen ſah Robert ein Wunderland ſich öff⸗ nen, tief im Innern der Erde. Goldene Paläſte, funkelnde Geſteine, Blumengefilde, rieſelnde Waſſer, Wieſenfluren, Wäldchen, zauberiſche Vögel im lichtblauen Ather— ein Reich der Seligen ſah er vor ſich im Innern des Gebirges.

Die Nixe lächelte ihn an, ihr Auge ſagte ihm:„Du haſt die Schrecken des Abgrundes nicht geſcheut aus Liebe zu mir, komm jetzt mit mir in meine Wunderheimat!“ Es drängte ihn, ſich hinabzuſtürzen in die Klüfte. Mit kühner Umarmung hob er die Holdſelige empor und ſchwang ſich vorwärts. Da tönte es noch einmal wie Gertruds Angſt⸗ ruf„Robert“ an ſein Ohr, doch er hörte und ſah nichts mehr, ſondern ſtürzte ſich, die ſüße Begleiterin feſt an das Herz gepreßt, hinab in den Abgrund.

In der Frühe gingen Holzſchläger durch den Wald dicht an der felſigen Ode des Hexentanzplatzes vorüber.„Halt, was iſt das dort im Graſe?“ rief der Vorderſte—„ſchläft dort Jemand oder iſt's ein Leichnam?“ Sie traten hinzu und fanden ein Mägdlein auf dem Antlitz am Boden lie⸗ gend, noch ſchwach athmend, aber faſt am Tode.„Hilf Himmel,“ rief der Erſte, als er ſie emporgerichtet hatte, „das iſt Gertrud, des Jägers Robert Braut!“ Die Arme

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