ſeinen dunklen Laubgewölben und friſchen Naſenteppichen. Tage und Nächte brachte ich in demſelben zu, ohne ſeiner müde zu werden, und ich begriff es wohl, wie unſere Vä⸗ ter ihren Göttern den düſtern Hain zur heiligen Wohnung angewieſen. Obgleich ich die um mein Schloß liegende Ge⸗ gend genau kannte, gerieth ich jedoch einſt auf einer meiner Streifereien ſo tief in die Berge, daß ich mich nicht mehr herauszufinden wußte. Mit dem dämmernden Abend ge⸗ langte ich an einen klaren See, der etwa einige Pfeilſchüſſe breit und lang war. Die Sonne war eben verſunken, nur im Weſten glänzte noch ein ſanftrother Schein, der ſich lieblich in dem heitern Wellenſpiegel abmalte. Die Vögel hatten aufgehört zu ſingen und am Himmel blinkten die erſten mattſilbernen Sterne. Der Tag war ſchwül gewe⸗ ſen, daher wehte die erfriſchendſte Kühlung aus den ſanft ſich brechenden Wellen. Ich ſuchte mir eine Stelle am Ufer, wo ich mich niederſetzen konnte, um ausruhend die erquickende Luft und ſchöne Landſchaft zu genießen.
Als ich mich den Gebüſchen am Strande näherte, hörte ich die Wellen in einer Bucht ſtärker rauſchen; ich trat hinzu und erblickte eine weibliche Geſtalt, die ſich ſoeben in den See geſtürzt hatte und die Wellen theilte. Erſtaunt blieb ich ſtehen und ſah ihr nach, wie ſie langſam über die purpurne Flut dahinſchwebte. Sie wandte das Haupt nach mir um und ſah mich mit ſo unbeſchreiblich holden Blicken an, daß ich ihr nachſtürzen wollte. Doch ſie winkte mir mit dem ſchwellenden weißen Arm zurück und ließ ſich von den ſanften Wellen weiter tragen, während ſie mit ſtets gewandtem Antlitz nach dem Ufer hinüberblickte. Nie habe ich etwas Reizenderes geſehen, als ihr ſchönes, dunkles Lockenhaupt und den blendenden Nacken und Arm, von dem milden, mit Purpur gemiſchten Blau der Wogen ſchwebend


