Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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Siebentes Capitel.

Der alte Vater Cuno ſaß harrend auf dem Söller des Schloſſes und betrachtete mit Unruhe die tiefer und tiefer ſinkende Sonne; denn es drängte ihn, die Laſt der unge⸗ theilt getragenen Schmerzen, unter der er das ganze Leben geſeufzt hatte, in die mitfühlende Bruſt des Sohnes aus⸗ zuſtrömen. Endlich kam der Jüngling den Burgweg lang⸗ ſam herauf.Ich habe Dich ſchon lange erwartet, mein Sohn, ſprach Cuno,um Dir jetzt etwas zu erzählen, was ich Dir anfangs erſt auf meinem Todbette vertrauen wollte. Doch die Erſcheinung, die Du geſtern gehabt, hat mir die Freuden, die ewig verlorenen vergangener Jahre ſo ſchmerzlich wieder vor die Seele geſtellt, daß ich dem be⸗ kümmerten Herzen, das lange einſam geduldet, endlich Er⸗ leichterung ſchaffen muß. Laß Dich aber durch einige ün⸗ glücksworte nicht aus Deiner glücklichen Unbefangenheit ſchrecken, ſondern halte ſie, wie ich, für Worte, die nur darum Unheil geſtiftet haben, weil man ſie geglaubt hat. Komm nun hinab in die Halle; der Nachtwind weht kalt, und jene Nebelwolke, die dort aus den Waldſpitzen ſich er⸗ hebt, ſcheint Regen zu verkünden. Vater und Sohn ſaßen in der ſchaurig dämmernden Halle; draußen war es finſter geworden, und der Wind fuhr ſauſend durch die alten Lin⸗ den auf dem Wall des Schloſſes. Cuno ſchwieg langez es ſchien, als müſſe er, bevor er mit Ruhe und männlicher Faſſung reden könne, erſt viele Stürme im Herzen beru⸗ higen. Endlich begann er mit Anſtrengung:

Als ich in Deinen ſchönen Jahren war, mein Bernhard, liebte ich, ſo wie Du, den einſamen, rauſchenden Wald mit