Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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der Geliebten erlebt hatte, hinzu. Während er ſprach, ſah der Vater ſehr ernſt, ja betrübt aus, ſo daß Bernhard faſt erſchrak; doch endete er ſeine Erzählung. Darauf aber faßte ihn der Vater bei der Hand und ſagte:Lieber Sohn, Du haſt eine tiefſchlummernde Erinnerung in mir erweckt, und nach Dem, was Du mir erzählt haſt, kenne ich die ſchöne Frau des Waldes wohl. Sei vorſichtig und meide ſie, daß Dich nicht vielleicht eine Liebe zu ihr ergreife, denn das würde Dich in tiefes, unendliches Leid ſtürzen. Oder ſie möchte Dir auch ſonſt gefahrvoll ſein. Folge daher lie⸗ ber meinem Rath und ziehe, ſie meidend, morgen fort in die Welt. Wir haben ja treue Knappen, die mich ſorgſam pflegen werden, und über ein Geringes mußt Du mich ja doch auf immer entbehren.O Vater, rief Bernhard, geängſtigt von tauſend beklemmenden Gefühlen,wie ſollte ich Euch verlaſſen in Eurem Alter! Fürchtet die Waldfrau nicht, ſie hat keine Macht über mein Herz.Doch, mein Sohn, meide ſie, es iſt nicht Das allein, was ſie Dir ge⸗ fährlich macht.O, mein Vater, unterbrach Bern⸗ hard,ihr Antlitz ſah ernſt und traurig, und ihr Geſang war klagend; tiefes Mitleid würde ſie mir erregen, aber keine Liebe. Ja, ſie ſcheint unglücklich durch Liebe zu ſein, denn ſie trägt ein düſteres Sinnbild, ein glühendes Herz von goldenem Pfeil durchbohrt.Sahſt Du das, Bern⸗ hard? rief der Vater erſchüttert. Und er wandte ſich ab und fuhr mit der Hand über die Stirn.Du biſt lange ausgeblieben, ſprach er umgewendet, erzwungen feſt,laß uns zur Ruhe gehen.Doch ich verlaſſe Euch morgen nicht auf ewig, bat Bernhard,nur in den Wald muß ich hinaus.Bernhard, erwiderte der Greis nach kur⸗ zem Schweigen,verſprich mir, morgen vor Sonnenunter⸗