Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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doch ſelig hinauf. Endlich gedachte er des Heimwegs und ſchritt träumend durch den Wald nach der Burg des Va⸗ ters. Bald trat er durch das Gebüſch auf eine Felsſpitze hinaus, von der er die Gegend überſehen konnte. Die Sonne neigte ſich hinter die violett rauchenden Gebirge jen⸗ ſeit des Rheins; eine matte Glut floß um die Gipfel der Berge und ſchimmerte durch die Kronen des Waldes; der Neckar rauſchte und ſchlug purpurnſchäumende Wel⸗ len; die Thürme der Burg brannten im Golde des Abends; im Walde war Alles ſtill. Bernhard breitete die Arme ſehnſüchtig aus, heiße Thränen ſtürzten über ſeine Wangen, Wehmuth und Wonne beſtürmten das jugendliche Herz, daß es heftiger ſchlug und die Bruſt beklemmte. Der Glückſelige wußte nicht, wie er die Fülle der Empfindung

faſſen ſollte; müde ſetzte er ſich wieder auf den Fels und

blickte der verſinkenden Sonne ſchwärmend nach. Aber als die letzten glühenden Wolken in einen matten Purpurrauch verdufteten, und der graue Flügel der Dämmerung leiſe beruhigend über die Erde zu wehen begann, hörten auch die Wogen ſeiner Bruſt auf, ſo ſtürmend zu wallen, und ruhiger ſtieg er hinab zu dem alten Vater.

Der Greis war verwundert, daß der Sohn ſo lange ausgeblieben ſei ohne Beute heimzubringen, und begehrte nach ſeiner Gewohnheit die Beſchreibung ſeiner Wanderung. Bernhard entgegnete nach einigem Stocken:Was könnte ich Dir, mein Vater, von einer Jagd erzählen, die ſo un⸗ glücklich geweſen iſt, daß ich nichts angetroffen habe. Doch beſann er ſich, ob er vielleicht von dem erfahrenern Vater über die wunderbare Erſcheinung jener Frau und ihres Ge⸗ ſanges im Walde nähere Auskunft erhalten könnte. Er er⸗ zählte daher, als ſei ihm ſelbſt begegnet, was Hildegard er⸗ blickt hatte, und fügte zuletzt, was er wirklich an der Seite