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Laube hervor und ſchien mehr majeſtätiſch auf mich zuzu⸗ ſchweben als zu wandeln. Dennoch hatte ſie etwas ſehr Sanftes und Rührendes in dem ſchönen Geſicht, ja es ſchien mir, als wenn eine blitzende Thräne das große, dunkle Auge ſchimmernd getrübt hätte. Eh' ich mich faſſen konnte, redete ſie mich an:„„Du biſt müde und verſchmachtet; folge mir, ich will Dich zu einer Quelle leiten.““ Sie er⸗ griff meine Hand liebreich, zuckte aber dabei ſchauernd zu⸗ ſammen und wandte ſich um, indem ſie mit der Linken über die Stirn fuhr. Durch die Büſche führte ſie mich ſtumm zu dieſem Brunnen, deutete mir den Rückweg mit der Hand, und nahm ſchweigend Abſchied.
Dieſes Thal wandelte ſie hinunter; ich hatte ſie bald aus dem Geſicht verloren, doch hörte ich einige Zeit nach⸗ her einen wehmüthigſchauerlichen Geſang aus der Ferne herüberdringen. Hörſt Du? fragte das Mädchen plößlich, und mit Erſtaunen und heimlichem Bangen hörten Beide eine klagende Stimme aus dem Thale herauftönen. Ein langer, ſchmerzlich ſchwellender, wie ein Hauch verhallender Ton ſchloß das Lied. Dann war es ganz ſtill; doch in der Ge⸗ gend, aus welcher der Geſang erklungen war, fingen die Gipfel der Bäume leiſe an zu ſchwanken, ein geheimniß⸗ vollrauſchender Wind wogte näher heran, plötzlich fiel ein dunkler Schatten auf den Raſen, und die Erſtaunten ſahen einen grauen, wolkigen Nebelſtreif durch die Luft ſchweben, der an dem höhern Rücken des Gebirgs zwiſchen den ſchwar⸗ zen Gipfeln der Bäume zerfloß. Das Mädchen ſchmiegte ſich furchtſam dichter an Bernhard an, der entzückt ſeinen Arm um die holde, bebende Geſtalt legte und ſie feſter zu ſich zog.„Sei nicht bange, Du Liebe,“ ſprach er zärtlich, „dies iſt eine milde Erſcheinung.“„Ich bin's auch nicht,“ erwiderte ſie,„ich habe dieſen Geſang ſchon oft gehörtz


