Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
Einzelbild herunterladen

chen betrachtete die Stelle und ſagte erröthend:Ich danke Dir, Fremdling, aber wie kommſt Du in dieſe Wildniß? Ich bin auf der Jagd verirrt, und wollte hier ausruhen, erwiderte Bernhard.So ſetze Dich zu mir auf die Moosbank, die ich an dieſem kühlen Born bereitet habe; denn der Mittag iſt drückend, aber hier iſt es ſchön und ſchattig.

Bernhard legte Köcher und Bogen auf den Raſen und ſetzte ſich in einer ſeligen Beklommenheit zu dem freundlich anbietenden Mädchen nieder.Nuht ſich's hier nicht wohl? fragte ſie mit lieblicher Stimme.Der Born murmelt leiſe über die Kieſel und haucht Kühlung empor, die Blätter rauſchen ſo ſanft in dem wehenden Zuge der Luft, die Vö⸗ gel ſingen freundlich dazwiſchen und die Sonne lächelt ver⸗ ſteckt durch das Laub. Ich bringe oft viele Stunden des Tages hier zu, und immer gehe ich ungern nach Haus. Aber wohnſt Du denn hier in dieſem Walde, den ſelten ein menſchlicher Fuß betritt?Dort hinaus über den Berg⸗ rücken hinweg wird es viel freundlicher, und wenige Schritte von der Hütte meiner Mutter kann man weit in das offene Land hinausſehen. Von dort kommen auch oft Landleute zu uns hinauf, welche uns Speiſe bringen.So wohnſt Du mit Deiner Mutter jenſeit des Gebirgs und Ihr lebt ganz allein?Nicht allein; ein uralter Klausner theilt mit uns die Hütte. Er hat uns vor vielen Jahren, als wir lange umhergewandert waren, gütig aufgenommen, und jetzt pflegen wir ſein im Alter. Aber ich kann nicht daheim bleiben. Es zieht mich hinaus in den tiefen, ſchattigen Wald, wo die Bergwaſſer ſchauerlich brauſen und die Ein⸗ ſamkeit uns tröſtend umfängt; dann aber ſteig' ich auch wieder ſo gern in die ſtillen Thäler hinab, die hoch von