Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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Ritter Cuno wurde von der Laſt der Jahre ſchon ge⸗ beugt. Das ſcharfe Schwert des Kummers hatte ihm tiefe Furchen in die Stirn geſchnitten, und tiefere Wunden in das ſtarke duldende Herz gebohrt. Scheitel und Wange waren gebleicht, doch das Feuer der ſcharfblickenden Augen hatten die Thränen, die er mit männlicher Härte zu be⸗ kämpfen geſucht, nicht erlöſchen können. Denn in dem Auge ſtrahlte die Glut des Herzens wieder, die Alter und Gram nur in eine mildere wohlthuende Wärme verwandelt hatten. Und dauernder, tiefer Gram. Denn er ſaß, ein gealterter Mann, jetzt faſt einſam auf ſeinem Schloſſe, da er ſonſt eine fromme blühende Gattin in ſeinen Arm ge⸗ ſchloſſen, die ihm zwei Kinder, einen Sohn und eine Toch⸗ ter, geboren. Nur der Sohn ſtand noch neben ihm, und der Vater betrachtete ihn oft mit Wehmuth, als blicke er in einen Spiegel, der ihm ſeine eigne glückliche, ſanft kühne Jugendgeſtalt zeige. Und wie uns in der Erinnerung Alles ſchöner dünkt, ſo kam auch dem Greiſe jene Zeit ſo lieblich vor, wie Einem, der auf einer öden beſchneiten Alpe ſteht, das grünend lebendige Thal zu ſeinen Füßen. Dieſes ſehn⸗ ſüchtige Gefühl ergriff ihn jetzt heftiger als jemals, da öftere Krankheit ihn hinderte, dem Vergnügen der Jagd, der ein⸗

zigen Zerſtreuung in jener einſamen Gegend, ſich zu über⸗

laſſen. So ſchweifte denn ſein Sohn Bernhard ganze Sn in den alten Wäldern umher, und kehrte nur mit nenuntergang heim, um den Vater durch Erzählung 88 Tagesabenteuer die Abendſtunden zu verkürzen und ſeine Sehnſucht nach der thätigen Jugendzeit noch ſtärker an⸗ zuregen. 4

Bernhard erzählte aber auch ſo lebendig, daß es wol

Jedem ein Verlangen erweckt hätte, das freie, freudige Le⸗

ben zu theilen. Er war ein Jüngling voll Kraft und