Erstes Capitel.
In dem ſchönen Thale, welches der Neckar ſilbern durch⸗ ſtrömt, wohnte, unfern der Stelle, wo wir jetzt die Trüm⸗ mer des herrlichen heidelberger Schloſſes anſtaunen, ein alter Ritter, Cuno, mit einem Sohne Bernhard. Aber damals war die Gegend nicht ſo lieblich als heut, wo der Fuß der Berge mit Weinreben grün umſponnen iſt, und an dem Ufer des ſanfter rauſchenden Fluſſes die freundlichſten Dörfer und Städtchen mit hellen Häuſern und ſchattigen Lau⸗ ben liegen; auch ſah man nicht ſo reich wogende Saatfelder und ſonnig über die Hügel ſich dehnende Wieſenteppiche als jetzt; ſondern Alles war mit dichtem Walde bewachſen, der Neckar brauſte ſprudelnd über die Felsblöcke, die ihm den wilden Lauf ſperrten, und kein leichter Nachen konnte ſo ge⸗ fahrlos wie heut den muntern Strom zwiſchen den reizen⸗ den Ufern hinabſchwimmen, laut ertönend von Geſang und Jubel. So ſcheint die Welt immer ſchöner zu werden; und doch mögen wol jetzt ſelten in dem blühenden Thal ſo ſelige Stunden verlebt werden als damals; freilich aber auch nicht ſo traurige!
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