Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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Die Gräfin ſeufzte aus tiefer Bruſt und blickte gen Himmel.Ich komme allein! Ganz allein! Das iſt meine Antwort! erwiderte ſie und ſchauerte zuſammen.

Und Lodoiska? fragte Marie mit bebenden Lippen.

Wähnteſt Du, ſie würde ihren Schmerz überleben? Seit einem Jahre ſchlummert ihr gequältes Herz in Frieden. Ihr iſt wohl!

Und Raſinski! rief Bernhard, der nicht mehr an ſich zu halten vermochte.

Ein ſchwerer Kampf war auf dem Antlitz der Gräfin zu leſen:Auch ihm iſt Ruhe geworden! ſprach ſie endlich langſam.Man ſah ihn zuletzt in der Schlacht bei Leipzig in der Nähe des Fürſten Poniatowski; weiter weiß ich nichts von ihm.

Längſt hatte das bebende Herz es geahnet; doch die Er⸗ füllung berührte es mit vernichtender Erſchütterung. Marie ſank ſchauernd an Bernhards Bruſt; er ſchloß ſie feſt an ſich, ſein Haupt neigte ſich auf das ihre, und ſeine Thrä⸗ nen netzten ihre Stirn. Ludwig ſtand vom tiefſten Schmerz bezwungen und heftete den von Thränen umdunkelten Blick auf den Boden. Bianca verhüllte ſich das weinende Auge und lehnte die Wange ermattet gegen die Schulter des Freundes.

Ich weine nicht mehr um ihn, ſprach die Gräfin, doch bebte ihre Stimme wie ſanft gerührt;ich habe auch wenig geweint. Wohl ihm, daß ſein Auge ſich geſchloſſen hat, daß es dieſe Tage nicht ſieht! Würde ſein edles Herz unſere Schmach ertragen? Gewiß, ihm iſt beſſer.

Marie wankte zu ihr, und warf ſich ihr weinend ans Herz.O meine Mutter! ſchluchzte ſie in Thränen erſtickend.