Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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ken ſind und unter den todten Brüdern liegen, dann will ich mit ſterbender Stimme rufen:Raſinski, und Du rufe Bernhard. Mit unſerm Herzblut ſtröme dann der Völker⸗ haß dahin; und je mehr die verſiegende Kraft das Lebens unſere Bruſt erkalten läßt, um ſo heißer wird ſie in heiliger Freundesliebe erglühen. Unſere wunden Herzen ſollen aneinan⸗ der ausſchlagen! Es wird ein ſchöner Tod ſein und ſie werden um uns weinen, Bianca Marie! Jetzt aber vorwärts; alle Ströme, wie wild ſie brauſen, finden ja doch endlich das Meer und dann ruhen ſie aus, und ihre Wellen drin⸗ gen nicht mehr raſtlos weiter. Bis dahin leb wohl! Bernhard.

Marie und Bianca begehrten die Briefe zu ſehen.

Wie Ihr wollt, meine Lieben, entgegnete Ludwig, doch iſt es beſſer, Ihr laßt es.

Nein, rief Bernhard,es iſt beſſer, Ihr leſet. Ihr wißt, was geſchieht, warum ſolltet Ihr nicht wiſſen, wie?

Mit dieſen Worten gab er ihnen die Blätter und ſie laſen, Beide zugleich, ſtumm, unter hervordringenden Thränen. Bernhard ging indeſſen in heftiger Wallung auf und abz endlich blieb er vor Ludwig ſtehen und ſprach:O, es geht mir durch die Seele! Und der Freund lag am Herzen des Freundes.

Marie und Bianca ſchrieben jede einen innigſten Gruß

der Liebe unter die Worte des Bruders. So wurden die Briefe abgeſandt.

über eine Woche verſtrich, bevor Antwort eintraf. Dieſe Zeit war indeſſen eine unruhig bewegte, da ſie ſich mit Vorbe⸗

reitungen zu dem neuen Kampfe ausfüllte. Eines Abends

endlich kam das Schreiben Raſinski's an. Bernhard em⸗

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