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führen. Darum laß uns ihm vertrauen, denn ſeine Gnade 4 iſt noch unerſchöpflicher als ſeine Macht. G Ewig Dein Ludwig.“ Auch Bernhard hatte geſchrieben: „Raſinski!“
„Wenn ich Dir Auge in Auge ſehen, von Mund zu Mund zu Dir reden könnte, ſo ſollten weicher Blick und Ton das ſcharfe Gift meiner Worte mildern. Doch trinken müſſen wir es Beide, wie qualvoll es die Bruſt zerreiße. Das Schickſal rächt ſich an mir. Du weißt, Raſinski, um des Freundes willen verrieth ich mein Vaterland und nahm das Schwert und verwundete die Bruſt, die mich genährt. Jetzt rollt die Kugel um; die tückiſche Nemeſis waffnet mich nun gegen den Freund und ich verrathe ihn an das Vaterland. Was wehrt ſich mein thörichtes Herz dagegen und will bald brechen, bald ſich empören und aus der Bruſt hervorſtürmen? Hinunter zur Ruhe! Ich hatte und habe Recht. Trotzig will ich nun mit eherner Stirn ausharren, und wie ein Spartaner zu der Folter lächeln, auf der mich das Schickſal zu einem falſchen, feigen Geſtändniß zu zwingen denkt. Dir, Raſinski, thue ich das wahre: Es iſt meine heilige Pflicht, mit der Waffe in der Hand gegen Dich anzudringen, und die Bruſt zu durchbohren, die mir ſo treuen Schutz gewährte, an der mein Herz in heißeſter Liebe geſchlagen. Thue Du mir auch ſo!— O, Naſinski! Der Tag wird ſchön ſein, wo wir uns in Donnern und Wetterwolken, wie bei Mo⸗ ſaisk, finden, und gleich dem Brüderpaar vor Thebens Mauern mit dem Sxgeer gegen einander anrennen, daß wir Beide durchbohrt niederſinken! Hier betheure ich Dir, ich werde Dich nicht ſchonen; denn einen ſchwerern Verrath
wüßte ich nicht zu begehen an meinem Vaterlande. Thue
Du mir auch ſol Wenn wir aber neben einander hingeſun⸗


