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in der ganzen Schar meiner heimatlichen Brüder wird mein Herz für kein ſo theures Leben zittern, als für das, was höhere Geſetze mich feindlich zu bekämpfen zwingen. Das Gebet der Unſern ſei unſer Schutzengel; Bianca und Marie werden, wenn die Donner der Schlacht ertönen, ihre reine Hand flehend erheben, daß der Allgütige uns das Außerſte erſpare. Durch das finſtere Dunkel des dampfenden Schlacht⸗ gewölks glänzt mir ein holder Stern, der Stern des Frie⸗ dens. Auch dieſe Stürme werden austoben, welche die Ge⸗ ſchicke der Menſchheit in ihren tiefſten Tiefen aufwühlten; endlich muß der donnernde Vulkan, der Europa's Grund⸗ veſten in bebende Erſchütterung ſetzt, erlöſchen, und die blu⸗ tigen Lavaflüſſe werden ſtehen, die brauſenden Ströme der Völker, die jetzt kämpfend gegen einander wogen, in ihr altes, friedliches Bett zurückkehren. Dann, Raſinski, wenn die ſchönen Ufer der Erde ſich wieder in ruhigen Fluten ſpiegeln, wenn der Himmel neu erheitert lacht, wenn der er⸗ ſchöpfte Mars in ferner Höhle den Schlaf ſucht und der Themis das Schwert läßt, daß ſie die Gebiete der Völker mit ſchlichtender Hand neu abmeſſe und ihre Rechte mit ſtrenger Wage prüfe: dann, Raſinski, kommt der Tag, wo auch uns der Lohn für die ſchwerſten Opfer des Herzens wird! Auf der Brandſtätte der Schlachtfelder werden wir uns mit alter Liebe und Treue umarmen, und die Verwü⸗ ſtung um uns her ſchreckt uns nicht mehr, denn ſchon ſproſſen die neuen Keime des Lenzes empor, der in doppelter Schönheit da erblüht, wohin der Vulkan ſeinen zerſtörend⸗ ſten Aſchenregen getrieben. Dahin laß uns die Blicke richten, auf dieſes ferne, leuchtende Ziel. Fern? Was ſage ich! Er, der die Sonnen aus der Nacht plötlich ſchaffend hervorbre⸗
chen läßt, er, vor dem tauſend Jahre ein Tag ſind, er kann
uns mit allmächtigem Arm im Flug des Augenblickes dahin
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