Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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Ich verſtehe Euch Beide, ſprach Marie mit tiefer Rührung;aber es muß ſein, es muß, ſo bitter es iſt. Und Raſinski wird der Erſte ſein, der Euren Entſchluß an⸗ erkennt. Selbſt groß geſinnt, empfindet er auch jedes Große wahr und unverfälſcht; aber frei, offen müßt Ihr vor ihn treten. Durch Niemand anders, als durch Euch, erfahre er, daß ein Tag kommen kann, wo Ihr faindlich gerüſtet einan⸗ der gegenüber ſteht.

So ſei es, ſprach Bernhard ſchnell;wir ſchreiben ihm, ſobald es entſchieden iſt, was wir thun.)

Das kann ſchnell geſchehen ſein, fiel Arnheim ein; der Gang, der Sie zu Kämpfern für Deutſchlands Freiheit machen ſoll, iſt noch in dieſer Stunde möglich.

So gehen wir, denn es gibt keinen Grund des Säu⸗ mens mehr für uns, erwiderte Bernhard entſchloſſen.

Sie gingen.

Am nächſten Morgen enthielten die Zeitungen den Aufruf des Königs an ſein Volk, den Aufruf vom dritten Februar des Jahres Eintauſend achthundert und dreizehn. Der Sturm der Begeiſterung wehte durch alle Herzen. Mit lautem Sie⸗ gesruf ſtrömten die deutſchen Männer herbei zu den wehen⸗ den Bannern der auferſtehenden Freiheit; Thränen der Freude glänzten in den Augen deutſcher Jungfrauen, und ihre ſanfte Bruſt hob ſich ſtolz im vaterländiſchen Bewußtſein. Freudig ſah die Mutter den Sohn, die Schweſter den Bruder, die Braut den Geliebten dahin ziehen; jede bange Thräne zer⸗ rann in dem ſtolzwogenden Meer erhabener Freude, deſſen Wellen im roſigen Morgenſchein der Hoffnung leuchteten. O ſchöne Zeit, o golden ſtrahlende Aurora der Freiheit, die einen ewig heitern Frühlingshimmel über Deutſchlands Flu⸗ ren zu wölben verſprach!

Bernhard und Ludwig waren in das Heer eingetreten;

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