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freudige Kunde für unſer Vaterland bringen.“ Hierauf machte ſie ihn mit ihrem Bruder, mit Bianca und Bernhard bekannt.
„Sie erinnern ſich, daß ich Ihnen ſchon in Warſchau von einem geheimen vaterländiſchen Bündniß erzählte,“ begann Arnheim;„jetzt iſt es Zeit, freier davon zu ſprechen, denn die Stunde, wo es Früchte tragen ſoll, iſt gekommen. Deutſch⸗ land wird aufſtehen in ſeiner Kraft; das ganze Volk ſoll zu den Waffen gerufen werden. Preußen ſchreitet mächtig vor⸗ an. Mein Vaterland iſt noch durch andere, hinterliſtig ge⸗ knüpfte politiſche Bande gekettet; doch es iſt Hoffnung da, daß auch Oſtreich ſie gewaltſam zerreiße. Bis dahin, wo es als Freies und Ganzes auftreten will, begnügt es ſich, die Geſinnung der Einzelnen für die heilige Sache zu ent⸗ flammen und ihre Entſchlüſſe zu unterſtützen. So bin ich ſeit einigen Wochen bereits aus dem Dienſt meines Kaiſers
in den des Königs von Preußen getreten. Die Führer un⸗
ſeres Bundes hatten ſchon ſeit längerer Zeit die Weiſung er⸗ halten, auf einen entſcheidenden Schritt des Königs vorbe⸗ reitet zu ſein. Heut, vor einer Stunde iſt endlich die ſehnlich erwartete Nachricht eingetroffen, daß er geſchehen iſt. Preußens König redet mächtig zu ſeinem Volk; er ruft es herbei zum Kampfe für das Heiligthum des Herdes, des Vaterlandes, der Freiheit. Ein heiliger Krieg entflammt ſich, wo die Völker ihre theuerſten, ſo lange mißkannten Rechte mit ihrem Blute wiedererringen werden; ein Krieg, der den Fallenden die Palme des Märtyrers, den Siegern die des ewigen Ruhmes reicht! So wird denn unſer Vater⸗ land endlich erlöſt werden aus den Ketten der Schmach und des Elends! Dieſe ſtolze Freude hebt meine Bruſt und läßt mich, was ich an eignem Schmerz zu tragen hübt⸗ über das große Glück des Ganzen vergeſſen.“ 13**⅔


