Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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übte Marie jetzt in höherem Maße. So tief und ſchmerzlich

die Glut in ihm brannte, er beherrſchte ſie männlich, als ſuche er Mariens Liebe durch ſeine Beherrſchung und Entſa⸗ gung zu verdienen. Er hatte in das innerſte Heiligthum ihrer Seele geblickt, und wie der Edle den Edlen leicht erräth und verſteht, ſo ahnete auch er alle die Kämpfe, die ſie be⸗ ſtanden, und begriff, weshalb ſie gekämpft. Ihre vaterlän⸗ diſche Begeiſterung, die jetzt in neuen, ſchönen Hoffnungen auflebte, kannte er und wußte, welche Opfer ſie ihr zu brin⸗ gen vermochte. Hoffnungen für ſeine Liebe wagte er nur entfernt zu nähren, doch er hatte die Gewißheit ihrer wärm⸗ ſten Freundſchaft und darum wollte er jetzt nicht weiter in ſie dringen; denn er ehrte den Schmerz, der noch immer ſtill blutenden Wunden ihrer Seele, die, durch die heilende Kraft der Entſagung kaum geſchloſſen, von der Hand des Schick⸗ ſals jüngſt ſo grauſam wieder aufgeriſſen waren. Sie dankte ihm dieſe großmüthige Zurückhaltung mit innerſter Rührung,

denn ihr war nicht verborgen, mit welchem Kampf er ſie

errang.

Je ehrfurchtsvoller daher Bernhard zurücktrat, je näher mußte ſich Marie zu ihm gezogen, je heiliger ihm verpflich⸗ tet fühlen. Vielleicht hätte ſie es nicht über ſich vermocht, ſeiner heißeſten Bitte ihr Herz zu gewähren; doch da er ſtill und ſtreng entſagte, wandte ſie es ihm ſelbſt darbringend näher und inniger zu, und mit jedem Augenblick fühlte ſie die Pflicht ſtärker, Deſſen Glück hingebend zu gründen, der es ihr ſo männlich edel zu opfern vermochte. Je mehr ihr die Liebe Pflicht wurde, je mehr wurde ihr die Pflicht Liebe. So entfaltete ſich die reine ſchönſte Blüthe edler Neigung im warmen, milden Strahl der Dankbarkeit und höchſten Achtung. Nur noch der leiſe, zartgewebte Schleier ihrer jungfräulichen Scheu und ſeiner heiligen Ehrfurcht ver⸗