Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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frei nur ſich ſelber zu gehorchen. Im ſiegenden Gefühl ihrer Berechtigung ſank Marie, hingegeben in Weh und Selig⸗ keit, an das Herz des edlen Mannes, und ihre jungfräu⸗ liche Lippe hing an den ſeinigen.

Mein warſt Du einen ſchönen Augenblick, Marie, ſprach er ſanft und löſte die Umarmung;nun ſei ganz wieder Dein! Du hatteſt Recht, edles, ſchönes Herz; zwi⸗ ſchen uns brauſt ein Strom, über den kein Steg führt als der der Schuld. Wohl uns, wir werden ihn nicht wandeln!

Er legte die in Thränen Vergehende an das Herz des Bruders.

Die Minuten ſind verronnen, ich muß fort! Ent⸗ ſchloſſen wandte er ſich raſch hinweg.

Da riß ſich Lodoiska aus ihrer dumpfen Erſtarrung auf; angſtvoll ſchmerzlich rief ſie:Willſt Du mich vergeſſen? und wankte auf ihn zu.

Er fing die Niederſinkende in ſeine Arme auf.Nein, nein, Du holde, bleiche Roſe! Wie ſollte ich Dein ver⸗ geſſen! ſprach er weich, und drückte ſie mit väterlicher Zärtlichkeit an die Bruſt.Aber Thränen habe ich nicht für Deinen Jammer Thräͤnen ſind zu arm!

Sie hing ſprachlos in unzertrennlicher Umarmung an ſei⸗ nem Herzen; das reiche Haar wallte ihr aufgelöſt herab; feſter und feſter drückte ſie das Antlitz an ſeine väterliche Bruſt. Doch ermattet ſanken die Kniee unter ihr ein, das bleiche Haupt fiel zurück, und mit geſchloſſenen Augen ruhte ſie leblos in ſeinen Armen. Er ließ ſie ſanft auf einen Seſſel gleiten, drückte noch einen Kuß auf ihre Marmorſtirn und ging dann mit raſchen Schritten der Thür zu. Bernhard und Ludwig wollten ihm folgen, doch er machte eine abweh⸗ rende Bewegung mit der Hand, rief überwältigt mit faſt erſtickter Stimme:Es iſt genug! und eilte hinab.