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„Allmächtiger Gott, mein Bruder!“ rief die Gräfin und hing in ſeinen Armen.
Er blutete an der Stirn; ſein Geſicht war mit Pulver⸗ dampf geſchwärzt, doch ſein Auge flammte wie das des Lö⸗ wen, der ſich auf ſeinen Raub ſtürzt.
„Die dringendſte Gefahr iſt vorüber,“ rief er;„einen Augenblick gewann ich zum Abſchied von Euch. In wenigen Minuten erwartet mich der Marſchall wieder. Bald werden die Ruſſen die Stadt beſetzen. Zur Flucht iſt nicht mehr Raum; darum haltet Euch verborgen, bis der erſte Sturm vorüber iſt. Dann geh' nach Warſchau, Schweſter; dort wirſt Du wieder von mir hören. Lebe wohl! Euch, meine Freunde,“ wandte er ſich zu Bernhard und Ludwig,„rathe ich, nach Preußen zu gehen. Für Euch iſt dies der nächſte, ſichere Aufenthalt. Unſer Weg geht nun auseinander. Wir haben treulich mitſammen ausgedauert— lebt nun wohl.“
Sie lagen in ſeinen Armen; er ſchämte ſich der Thränen nicht, die ſein männliches Antlitz benetzten, doch er blieb feſt, denn er wollte es bleiben.
„Es muß geendet ſein,“ ſprach er nach einer heiligſtillen Minute;„ich habe nicht mehr Zeit für alle meine Lieben! Auch Ihr lebt wohl, Ihr ſchönen Geſtalten! Bianca— Marie!“
Bianca, die ihn wie einen Vater liebte, lehnte ſich wei⸗ nend an ſeine Bruſt; er küßte ihr die Stirn und legte ſeg⸗ nend ſeine Hand auf ihr Haupt.„Du warſt unſer holder Schutzengel in namenloſer Bedrängniß; Deine Nähe war mein Troſt. Jetzt reißen uns rauhe Stürme auseinander— mögeſt Du von nun an nur ſanfte Pfade wallen!“
Marie ſtand in ſchüchterner Ferne; Raſinski trat ihr einen Schritt näher.„Marie,“ redete er ſie an,„wir ſehen uns zum letzten Mal!“
Da nahmen Liebe und Schmerz ſich ihr heiliges Recht,


