— 22ñ—
Sei es, daß die Ruſſen ihn heute ſchonen wollten, denn bei Gott! wir verkauften unſer Leben nicht wohlfeil; ſei es, daß ſie ihres Triumphs zu gewiß zu ſein glaubten, allein ſie machten keinen entſcheidenden Angriff, um die Sache zum Schluß zu führen, ſondern begnügten ſich, alle Stellungen und Ausgänge beſetzt zu halten. Aber am Morgen war das Neſt dennoch leer, und die Sonne ging grade zeitig genug auf, um den Ruſſen zu zeigen, wie die tapfere Schar, ſchon außer der Möglichkeit, erreicht zu werden, auf Krasnoe anrückte. Ich ſelbſt ſah ihre Bajonnette im Mor⸗ genſonnenglanz leuchten, und— lacht mich nur aus ins Teufels Namen— aber ich ſprach wahrhaftig ein Dankge⸗ bet, wie ich's ſeit meinen Knabenjahren nicht gethan.“
„Doch wie war der Marſch möglich?“ fragten Raſinski und Jaromir aus einem Munde.
„Diesmal danken wir's Euch, den Polen,“ antwortete Regnard bewegt;„und wenn Frankreich ein Gedächtniß hat, ſo wird es ſich, ſo lange es Franzoſen und Polen gibt, daran erinnern, daß es Euch die Köpfe eines ganzen Armee⸗ corps ſchuldet, und überdies den des tapferſten und menſch⸗ lichſten Feldherrn, der jemals franzöſiſche Soldaten ins Pener geführt hat.“
Raſinski war auf's Außerſte geſpannt.
„dört zu! Es iſt Wahrheit, denn mir hat es ein ſter⸗ bender Landsmann geſagt, der leider nur den halben Weg der Rettung zurücklegen konnte.
Es war Nacht geworden. Der Vicekönig gab ſich ver⸗ loren. Doch wollte er noch den verzweifelten Verſuch ma⸗ chen, den Feind zu umgehen. Da dieſer, durch des Prinzen Demonſtrationen bewogen, ſeine größte Kraft auf die linke Seite des Weges concentrirt hatte, beſchloß der Feldherr, ihn auf ſeinem linken Flügel, nämlich auf der rechten Seite der


