Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

law folgte dem Zuruf, faſt ohne zu wiſſen, was er that. Der Chaſſeur ſtreckte ihm die Hände entgegen, er reichte das kleine Weſen hinauf, und der wild ausſehende bärtige Krie⸗ ger nahm es in ſeinen Arm und herzte und küßte es freund⸗ lich. Aliſette war indeſſen in wahnſinniger Angſt auf den nächſten Wagen zugeſtürzt und verſuchte dort das Mitleid durch Händeringen und Weinen rege zu machen. Doch der Abſcheu gegen ſie hatte ſich aller Herzen bemächtigt, und mit rauher Stimme rief ihr ein ergrauter Sergeant entgegen: Fort, Rabenmutter! Laufe zu Fuß durch den Schnee!

O erbarmt Euch meiner Jugend, jammerte Aliſette und warf ſich auf die Kniee in den Schnee nieder und rang die Hände verzweiflungsvoll.

Jetzt näherte ſich ihr Boleslaw, berührte ſie an der Schulter und ſprach ernſt, aber ſanft:Faſſung, Aliſette, tragen Sie Ihr Schickſal mit Geduld. Die Beſchwerde iſt zu überwinden; ich werde Sie leiten und unterſtützen, ſo viel ich vermag!

Die Unglückliche, die noch immer auf den Knieen lag, hatte ihn während dieſer Worte mit halb irren Blicken ſprachlos angeſtarrt; erſt nachdem er geredet, ſchien ſie ihn zu erkennen.Wie? rief ſie mit verwilderten Zügen.O, Ihr konntet ſo demüthig bitten um ein Lied in guten Tagen! Und jetzt wollt Ihr mich der namenloſen Marter preisge⸗ ben! Ich ſoll in dieſer Wildniß verſchmachten!

Bei dieſen Worten ſprang ſie heftig auf und ſtürzte wiederum auf den Wagen zu, wo das Kind zitternd, an die Bruſt des Chaſſeurs geſchmiegt, ſaß. Ehe man ihre That nur ahnen konnte, riß ſie das unſchuldige Weſen wieder herab, ſchleuderte es zum zweiten Mal auf den Boden und rief:Laßt es hier, es weiß noch nicht, wie ſchön das Leben,

wie furchtbar der Tod hier iſt; mich rettet, mich, ich weiß,

*