Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
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befreit waren; Boleslaw empfand den tiefſten Schmerz brü⸗ derlicher Freundſchaft, aber er war es ſchon gewohnt, an verborgenen Wunden zu verbluten; ſein ſtilles Antlitz ver⸗ rieth wenig.

So ſaß er denn auch jetzt düſter ſinnend und ließ ſeine Blicke über den Zug ſchweifen, der ſich im grauen Morgen⸗ nebel vor ihm verlor; die Wagenreihe mit Verwundeten bil⸗ dete den Schluß deſſelben. Ein kaum bemerkbar anſteigen⸗ der Feldrücken durchſchnitt die Straße; aber er war auf ſei⸗ nem Abhange mit Glatteis bedeckt, ſodaß die matten Pferde trotz der Flüche und Peitſchenhiebe ihrer Führer die unbe⸗ deutende Anhöhe nicht hinaufzuklimmen vermochten. So ſtopften ſich die Wagen und Kanonen, und während Reiter und Fußvolk vorüberzogen, blieben ſie zurück. Indeſſen ge⸗ lang es nach und nach Allen, das Hinderniß zu überwin⸗ den, welches jedem Spätern, da das Eis ſich ſplitterte und ſomit an Glätte verlor, leichter wurde. Schon waren die letzten Wagen, zu denen auch der Boleslaw's gehörte, faſt an der Reihe, als einer derſelben, der mit Gepäck und Frauen zu belaſtet war, trotz aller Anſtrengung der Roſſe und des Führers das Hinderniß nicht zu überwinden vermochte. Die hinter ihm Wartenden fluchten und tobten und drangen dar⸗ auf, das Fuhrwerk, welches alle andern aufhalte, zurückzu⸗ laſſen. Man würde daneben hingefahren ſein, allein ſchon hatte man die mindeſt ſteilen Punkte des Weges aufgeſucht, und ſomit würde jeder Verſuch, die Höhe an einer andern Stelle hinaufzufahren, ungleich ſchwieriger geweſen ſein. So mühten und quälten ſich denn zwei elende Pferde vergeblich, den glatten Abhang hinanzuklimmen; menſchliche Hand konnte auch nicht helfen, da nur kraftloſe Kranke und Verwundete

ſich auf dem Wagen befanden, und ſelbſt die Führer zu die⸗

i gehörten. Endlich ſtürzten beide Roſſe auf der halben

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