— 342— zu vergelten, da nicht zu zürnen, wo keine Schuld waltet. Das übt der Wilde gegen den Wilden! Ihr werdet Euch deß nicht weigern. Bei der Gnade des Erbarmers, deren Ihr bedürft in Eurer letzten Stunde— und wißt Ihr denn, ob die nächſte nicht die letzte iſt?— bei der ſühnenden Liebe des Heilandes, ermahne ich Euch, thut nach dem göttlichen und menſchlichen Gebot und verhärtet Euch nicht im Zorn!“
„Es iſt genug!“ fuhr Dolgorow erbittert auf.„Ihr ſeid der abtrünnige Prieſter der Feinde geworden! Was wollt
Ihr jetzt von mir? Ich bin Euer Gefangener. Die Fürſtin
Ochalskoi, die Tochter Rußlands, läßt den Grafen Dolgorow, ihren Vater, den Vertheidiger der Heimat durch Verräther feſſeln! Es iſt ihr geglückt, ſie mag nun weiter beſtimmen!“ „ Himmel, das iſt zu viel!“ rief Bianca und verbarg ihr Haupt an Gregors Bruſt, der den Arm ſanft um ſie legte.
„Schweſter, komm, ſonſt breche ich, was ich Dir gelobt,“ ſprach Bernhard dringend, vor Zorn bebend.
Ludwig trat in edler Haltung vor und wandte ſich zu Dolgorow.„Können Sie es ertragen, ſo vor dem eignen Richter Ihrer Bruſt zu ſtehen? Hören Sie auf, das ſchönſte Herz mit unwürdiger Läſterung zu kränken! Hier finden Sie kein Ohr, das durch ſolche Worte getäuſcht wird.“
Dolgorow antwortete nicht.
Da erhob Gregor ſeine Hände zum Himmel und betete feierlich:„Himmliſcher Vater! Schenke du dieſer Reinen deine Gnade. Sie iſt ſchuldlos vor dir!“ Hierauf legte er die Hände ſegnend auf Bianca's Haupt.„Hier empfange den Segen des Herrn! Sein ſanfter Fittig ſoll ſich über Dich breiten und Dich ſchützen vor dem Grimm des Böſen! Und folgte ſelbſt der Fluch eines wahren Vaters Dir nach, er ſollte machtlos abgleiten von dem Schild, den der Herr durch mich über Dich breitet. Ziehe nun in Frieden, wo⸗


