Feſſel. Mein Herz hat gewählt. Ich fühle, daß meine Liebe einem göttlichen Gebot gehorchte, darum bekenne ich ſie frei und offen. So müſſen ſich die alten Bande löſen. O meine 4 Ältern, laſſet es nicht gewaltſam geſchehen! Erſpart mir und Euch ſelbſt einen Schmerz, dem wir nur durch freien Entſchluß entgehen können! Scheiden wir in Liebe!“
Bittend war Bianca der Gräfin genaht und ergriff ihre herabhängende Hand.„Habe ich jemals meine Kindespflicht gegen Sie verſäumt, meine Mutter? Selbſt das ſchmerzlichſte Opfer brachte ich ja blutend und ſtumm; ein Opfer, das, ich fühle es, ſelbſt über die Macht der Altern ging. Ein waltender Gott hat meine Feſſeln gelöſt, noch ehe mich ihre Schmach berührte. Erkennen Sie den Wink des Allmächti⸗ gen! Beugen Sie ſich ſeinem Willen und ſegnen Sie mit Liebe, was Sie nicht mehr ändern können. Das ſei mein Lohn für die Stunde der unvergeßlichen Qual, wo ich mich Ihrem Willen beugte und alle Hoffnungen des Lebens be⸗ grub. Sie ſind erſtanden, mächtig erſtanden durch den wun⸗ derbaren Rath des Ewigen. O gießen Sie den milden Thau des Segens über die jungen Blüthen, vergiften Sie ſie nicht mit den kalten Tropfen des Haſſes!“
Die Gräfin wandte ſich zwar weinend, aber ungerührt ab. Ihre Thränen waren nur die der Erbitterung. Dol⸗ gorow ſtand ſtumm, unbeweglich.
„Frommer Vater Gregor!“ bat Bianca mit faſt erſtick⸗
6 ter Stimmer,„o laßt Ihr noch einmal Euer mildes Wort 4 ertönen. Eure geheiligte Stimme wird tiefer eindringen, als 5 die Bitte der Tochter.“
1 Der Greis trat näher zu der Gräfin, redete aber zu Beiden gewandt:„Liebet Eure Feinde und thut wohl Denen, die Euch haſſen, fordert das Gebot des Herrn von uns. 1 Ihr ſollt nur die geringere Pflicht erfüllen, Liebe mit Liebe


