Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Sie gingen.

Im Saale fanden ſie Dolgorow finſtern Blickes, bleich von der innerlichen Wuth, auf⸗ und abgehend. Die Grä⸗ fin ſaß in einem Lehnſeſſel, erſchöpft und weinend.

Was wollt Ihr? Seid Ihr auch in der Verſchwörung und Eurem Vaterlande und Eurem Gott abtrünnig, Gregor? grollte Dolgorow den ſich ihm nähernden Greis finſter an.

Dieſer erwiderte ihm mit ſanfter Stimme:Sprecht nicht Worte des Haſſes in dieſer Stunde, wo der ewige Len⸗ ker der Dinge Euch ſein ernſtes Angeſicht gezeigt hat. Sprecht nicht Worte des Haſſes, jetzt, da wir Euch mit Liebe na⸗ hen! Ihr habt heilige Bande der Natur getrennt, aber das

Auge Gottes wachte und führte Die zuſammen, die ſich ge⸗

hören ſollten. Zürnet nicht Denen, die keine Schuld tragen,

verſöhnt die ſtrenge That durch milde Liebe. Die Euch ſo

lange Vater nannte, ſie geht von Euch, denn eine neue

Pflicht ruft ſie; laßt ſie in Liebe und Verſöhnung ſcheiden. Dolgorow ſchwieg und wandte ſich ab.

Mein Vater, meine Mutter! ſprach Bianca mit be⸗ bender Stimme und trat furchtſam näher;ich möchte dieſe heiligen Namen, die ich durch Sie kennen lernte, nicht gern vergeſſen. Ich duldete viel, aber ich genoß auch viel des Guten; dafür bewahrt mein Herz unvergeßlichen Dank. Schei⸗ den muß ich, denn ich würde ewig eine Fremde hier geblie⸗ ben ſein. Keine Gewohnheit, keine übung des Lebens hat die Triebe und Keime andern können, die die Natur in meine Seele legte. Mir ſind andere Empfindungen und Nei⸗ gungen als Erbtheil überkommen, ich muß zurücktreten aus dieſen Kreiſen, in denen ich mich niemals heimiſch fühlte. Und mich ziehen heilige, theure Pflichten. Nicht nur das Band, was die Schweſter an den Bruder knüpft, auch ein anderes, eben ſo heiliges, umwindet mich mit unzerreißbarer

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