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hinaus, um aus einem der vordern Fenſter zu ſehen, wer ſich nahe.
Nach drei Minuten kehrte er wieder und berichtete: „Gefahr hat es nicht, gnädigſte Fürſtin, es iſt der Vater Gregorius!“
„Den ſendet mir der Himmel ſelbſt!“ rief Bianca.„O
des gütigen Greiſes, der die Nacht und den Winter nicht ſcheut, um meiner Bitte, ſo ſchnell er es vermag, zu willfah⸗ ren. Offne, öffne— nein, ich ſelbſt will ihm entgegen.“
Sie eilte ſo raſch hinab, daß Willhofen ihr kaum zu folgen vermochte. Nach wenigen Minuten kehrte ſie an der Seite des Greiſes, dem ſie ſich wie eine liebende, vertrauende Tochter anſchmiegte, zurück.„Seht, mein Vater,— hier iſt er— er iſt wahrlich mein Bruder!“
Bernhard ſtand ehrfurchtsvoll auf, denn das Antlitz Gregors glich dem eines Heiligen; eine ſanfte Freude mil⸗ derte den Ernſt ſeiner Züge, ſein Auge glänzte, eine ſtau⸗ nende Verehrung der göttlichen Fügungen leuchtete aus dem frommen emgorgehobenen Blick.„So wunderbar leitet der unerforſchliche unſere Schritte,“ ſprach er unwillkürlich ſtill ſtehend,„ſo führt er die Geſchicke an unſichtbaren Fäden. die er allein zu knüpfen und zu löſen vermag! Sei mir ge⸗ grüßt, mein Sohn,“ fuhr er näher tretend fort und legte die Hand auf Bernhards gebeugtes Haupt,„der Segen des Himmels ruhe auf Dir. Siehe, der Allgütige will Dir wohl; hier, wo ſeine Schreckensengel den übermuth der Frev⸗ ler ſtrafen, hier in den öden Wäldern und Schneewüſten des Nordens, wo das ſchwarz geflügelte Verderben allen den Tauſenden naht, die das Heiligthum unſeres Herdes, unſerer Heimat, unſeres Gottes antaſteten— hier läßt er für Dich die lieblichſte Blume erblühen und gibt ſie Deiner War⸗ tung, Deinem Schutz, Deiner Ditae hin. Du kamſt mit


