ſchreien verbieten, war eins. Das Thor iſt nur von außen verriegelt; ich reiße die Riegel zurück, ſpringe hinein, in der zweiten Thür ſteckt der Schlüſſel, ich öffne und die Gefan⸗ genen ſind frei. Schnell raffe ich das bischen Franzöſiſch, das ich von meiner Jugend her weiß, zuſammen und frage, ob ſie Muth hätten, ſich frei zu machen? Ich brauchte beim Henker nicht zwei Mal zu fragen.„So kommt,“ rief ich, und ſie folgten mir in den Hof. Als ich ſie im Freien hatte, führte ich ſie an einen Haufen Knüppelholz, der gleich rechts in der Ecke liegt, und hieß ſie ſich raſch tüchtige Knüttel neh⸗ men und dann mir nach dem Thore folgen. Indeſſen laufe ich voraus, ſchließe das Außenthor ab, damit mir die Bur⸗ ſche nicht etwa vor der Naſe alle zum Teufel in den Wald hinaus liefen und uns im Stich ließen, reiße aus dem Ofen der Wächterſtube ein paar Brände heraus und trommle und winke ſie nun herbei. Sie ſtürzen pfeilgeſchwind heran, mir nach, die Treppen mit wildem Geſchrei herauf und— das übrige wißt Ihr ja. Jetzt ſind wir des Schloſſes Meiſter. Aber wir thun doch wohl, noch in dieſer Stunde abzuziehen, denn man kann nicht wiſſen, was die nächſte bringt.“
„Braver Burſche,“ rief Bernhard,„Du biſt ein Deutſcher geblieben, mitten in Rußlands Steppen. Ich fühle mich kräftig genug, Freunde, laßt uns eilen, das Freie zu gewinnen.“
„Der Schlitten iſt noch angeſpannt,“ antwortete Willhofen, „wir können Augenblicks fort. Aber horch, was iſt das?“
Man hörte am Thore pochen und draußen Peitſchen⸗ knall und das Schellengeläute eines Schlittens.
Alle erſchraken.
„Nur ruhig! Wir wollen ſehen, wer es iſt,“ ſprach Willhofen;„ſind es ihrer Viele, ſo laſſen wir ſie nicht ein. Gegen Wenige behalten wir die übermacht, denn unſere Feinde hier ſind ſchon unſchädlich gemacht.“ Damit ging er
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