Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Am Herzen Deiner Schweſter, rief Bianca mit dem Jauchzen der Freude und ihre wallende Bruſt vermochte kaum

zu athmen.

Ludwig hatte ſich zu ihr niedergebeugt und half ihr den Ermatteten emporrichten. Er wiſchte ihm mit ſeinem Tuch das Blut von der Stirn und fragte:Schmerzt Dich die Wunde? Iſt ſie tief?

Nein, Beſter, ſprach Bernhard,mir iſt recht leicht und wohl. Aber was iſt geſchehen?

Noch weiß ich es ſelbſt kaum, erwiderte Ludwig. Aber zuerſt muß Dir Hülfe werden.

Der Freund und die Schweſter leiteten ihn auf ſein Gemach. Hier wuſch ihm Bianca ſelbſt die Wunde und verband ſie mit ihrem Tuch. Während deſſen trat Willho⸗ fen ein. Ludwig deutete auf ihn und ſprach:Dieſer iſt unſer Retter: aber wie er es wurde, hat er uns noch nicht erklärt.

Wahrhaftig, ich weiß es ſelbſt kaum, entgegnete Will⸗ hofen.Ich hielt draußen auf der Brücke und wartete auf Euch, lieber Herr, als ich plötzlich ein lautes Schreien und gleich darauf einen Schuß hörte. Da wandte ich mein Pferd

um und ſah die Leute aus der Thorwärterſtube nach dem

Schlitten ſtürzen. Nun wußte ich, was es gab. Unſchlüſ⸗ ſig, ob ich fliehen oder bleiben ſollte, ſah ich von draußen den Lärm mit an. Als aber alle die Kerle die Treppen herauf⸗ ſtürzten und der Thorweg leer ward, kam mir der Gedanke: Die gefangenen Franzoſen müſſen uns helfen! Wie der Sturm⸗ wind ſprenge ich in den Hof; der Kerl mit ſeiner alten Muskete, der vor der Thür des Gewölbes, wo ſie eingeſperrt ſind, Schildwache ſtand, war ſich keines Angriffs gewärtig; denn vom Pferde ſpringen, ihn zu Boden werfen, ihm das Ge⸗

wehr entreißen und ihm mit einem Kolbenſchlag das Hülfe⸗