Dolgorow, auf den die Schüſſe gefallen waren, kehrte vollen Laufs zurück; er hielt ſich die getroffene Seite, doch ſchwang er noch muthig den Säbel und rief die Bedienten zur Hülfe auf. Dieſe waren unbewaffnet und zauderten.
„Fechtet, oder ich ſelbſt ſtoße Euch nieder,“ tobte Dol⸗ gorow und ſtampfte mit dem Fuß, daß das Gewölbe dröhnte.
Die erſchrockenen Sklaven ließen Ludwig und Bernhard los und eilten zu ihrem Herrn heran. Da erfüllte plötzlich heller, rothleuchtender Fackelſchein das ganze Gewölbe und Ludwig erkannte den getreuen Willhofen, der, in der Rechten den Säbel, in der Linken einen hellen Brand ſchwingend, eben auf der Höhe der Treppe ſichtbar wurde. Raſchen Laufs drang er vorwärts, eine Menge Leute mit Knitteln und Stangen hinter ihm her. Sie ſtürmten wild auf Dolgorow und die Seinigen ein; dieſe ergriffen die Flucht und ſtürzten den Corridor hinunter. Dolgorow wollte Stand halten; doch er wurde überwältigt, zu Boden geworfen, die Schar drang vor, und bevor Ludwig ſich beſinnen konnte, ergriff Willho⸗ fen ſeine Hand, ſchüttelte ſie fröhlich und rief jubelnd:„Wir ſind gerettet, Herr!“
Ludwig ſank dem Getreuen an die Bruſt und hielt ihn in trunkener Beklemmung der Freude umfaßt.
Bianca kniete auf dem Boden; das Haupt des nie⸗ dergeſunkenen Bruders lag in ihrem Schooß, ſie faltete die Hände über ſeinem blaſſen, blutigen Antlitz, ihre bebenden Lippen vermochten kein Wort hervorzubringen, doch in ih⸗ rem emporgerichteten Auge glühte der reinſte Dank gegen den Allgütigen.„Bruder, nur Du öffne das Auge wieder!“ ſtammelte ſie nach einigen Augenblicken und ſuchte ihm das geſunkene Haupt emporzurichten. Da kehrte ihm die Be⸗ ſinnung zurück, er ſchlug das Auge auf und fragte:„Wo bin ich?“


