Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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len, rief ſie dieſe mit einer Kraft, die ihr die Verzweiflung lieh, an;ich gebiete Euch, dieſe Unglücklichen frei zu laſſen und dem Blutenden Hülfe zu leiſten! Dolgorow war ihr nachgeſtürzt.Wer meinem Befehl nicht gehorcht, drohte er mit hoch emporgehobenem Säbel, indem er die Stimme furchtbar erhob,dem ſpalte ich das Haupt! Wer wagt es, mir zu trotzen? Die Leibeigenen der Fürſtin ſtanden unſchlüſſig, da ſie zwiſchen Furcht und Pflichtgefühl ſchwankten. Zwei von Dolgorows eignen Leuten jedoch beugten ſich ſklaviſch demü⸗ thig und ſprachen:Unſer Gebieter ſoll uns nur befehlen, was wir zu thun haben. Ich that es ſchon, herrſchte Dolgorow ſie ergrimmt

an:bindet dieſe Hunde und werft ſie in das tiefſte Ge⸗ wölbe des Schloſſes hinunter! Nein, es iſt unmöglich, rief Bianca aus und um⸗ ſchlang den Bruder mit beiden Armen und drückte ſein blu⸗ tendes Haupt an ihre Bruſt; ‚ich laſſe Dich nicht, mein Bruder, Du ſollſt in meinen Armen ſterben. Von einer ſcheuen Ehrfurcht ergriffen, traten jetzo ſelbſt

die rohen Leibeigenen zurück und ſchienen eine höhere Pflicht als die des ſklaviſchen Gehorſams zu empfinden. Dolgorow ſtampfte erbittert mit dem Fuß.Werft ſie

mit hinab, wenn ſie ihn nicht laſſen will! rief er ingrim⸗ mig und ſchritt ſelbſt auf die Unglückliche zu, um ſie von dem Herzen des Bruders zu reißen. Ludwigs Bruſt wurde bei dieſem Anblick von unnenn⸗

baren Qualen durchſchnitten. Da durchdrang ihn plötzlich das Gefühl von der Allgegenwart des höchſten Richters, und in der ſittlichen Kraft ſeiner überzeugung richtete er ſich ſtolz 1 zwiſchen den Sklaven, die ihm die Arme gefeſſelt hielten, auf, 4 und rief dem Grafen mit der überlegenheit der Tugend zu:

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