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keiten. Endlich trat Bernhard mit einem Licht an das Fen⸗ ſter und verlöſchte es an demſelben. Das war das verab⸗ redete Zeichen. Willhofen ſchwang ſich zu Pferde und ritt gegen das Thor zu, das er zu öffnen befahl. Ludwig folgte ihm mit dem Schlitten; unter dem Thorweg, an der Treppe, ſo lautete die Verabredung, ſollte er halten und Bianca und Bernhard aufnehmen und dann, ſo raſch die Roſſe es ver⸗ möchten, dem voranſprengenden Willhofen folgen. Daß ſie nicht ſogleich verfolgt werden konnten, dafür hatte der vor⸗ ſichtige Willhofen dadurch geſorgt, daß er das Geſpann und Zaumzeug aller übrigen Pferde, die im Schloß ſtanden, zu⸗ ſammengerafft und über eine eingeſtürzte Stelle der Mauer in den Schloßgraben geworfen hatte, der zwar zugefroren war, wo aber Niemand dieſe Geräthſchaften ſuchen konnte. Es war daher zu erwarten, daß ſie vor Tagesanbruch ſchwer⸗ lich gefunden würden. Die Dunkelheit begünſtigte das Un⸗ ternehmen; leiſe, da man den Tritt der Roſſe auf dem Schnee kaum hörte, gelangte Ludwig bis an den Thorweg. Will⸗ hofen war ſchon außerhalb deſſelben und hielt an der Brücke. Beim halbdüſtern Schein der Lampe, die das Flurgewölbe erhellte, ſoah Ludwig mit pochendem Herzen drei Geſtalten auf den Stufen der Treppe ſtehen. Er hielt an.„Biſt Du's, Bernhard?“ flüſterte er.„Wir ſind's,“ war die Antwort und zugleich näherte ſich Bianca, um einzuſteigen.
Da ertönte plötzlich Dolgorows furchtbare Stimme: „Verrätherei! Auf! herbei! Sperrt das Thor, ergreift die Verräther!“ In demſelben Augenblick blitzte ein gezückter Säbel über Bernhards Haupt, und von dem Hiebe getrof⸗ fen, ſtürzte dieſer zu Boden. Bianca that einen lauten Schrei, warf ſich über den Niedergeſunkenen hin und dem zum zweiten Streich ausholenden Arm Dolgorows entgegen.
„um des erbarmenden Gottes willen, haltet ein— er


