Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

330

Frevlers eindringt, um ſeine Entwürfe in ihrem ganzen Um⸗ fange zu überſehen.

Jetzt drängt der Augenblick, es iſt keine Zeit mehr zu verlieren; die Flucht muß noch in dieſer Stunde geſchehen. Während Willhofen hinuntereilt, um unter dem Vorwande, ſein Pferd zu ſatteln, die Roſſe an den Schlitten zu ſpan⸗ nen, verſieht ſich Bianca auf ihrem Zimmer mit dem Noth⸗ wendigſten. Sie kann jetzt nicht umhin, Jeannetten zur Mitwiſſerin zu machen; dieſe will nicht von der Gebieterin weichen, ſondern fleht mit Thränen, ihr Schickſal theilen zu dürfen. Bianca muß einwilligen, ſie mitzunehmen, um ſo mehr als von Dolgorows Zorn Alles für das Maͤdchen zu fürchten iſt, wenn er nur eine Ahnung hat, daß ſie ſein Geheimniß verrathen haben könnte. Dieſe packt daher in größ⸗ ter Eile Kleidungsſtücke und was ſonſt unentbehrlich ſcheint, zuſammen, während die Gebieterin ſich mit Geld verſieht und ihre Juwelen, Papiere, Briefe und Andenken in ein Käſtchen ſammelt. Bernhard und Ludwig haben ſich indeſſen auf Willhofens Anweiſung mit Piſtolen, die den bewaffneten Bedienten zugehören, verſehen. Ludwig geht hinunter in den Hof, um, ſobald Willhofen ſich zu Pferde ſetzt, dieſem mit dem Schlitten zu folgen. Bernhard eilt zu der Schweſter hinüber, um ſie hinabzuführen. Ein Zeichen, welches er von ihrem Fenſter aus gibt, zeigt Denen im Hofe an, daß die Frauen bereit ſind.

In angſtvoller Spannung ſtand Ludwig im Hof und hielt die Blicke unverwandt auf Bianca's Fenſter gerichtet. Die dringende Gefahr des Verzugs, die an einem Haar hängende Möglichkeit, verrathen zu werden, der Sturz in das tiefſte Elend, der dann auf die ſchönen Träume einer na⸗ menloſen Seligkeit folgen mußte, Alles dies verwandelte der

auf die Folter geſpannten Erwartung die Secunden in Ewig