— 328— Eilktes Capitel.
Denn Bianca wußte ſchon, daß und wie ſie verrathen war. Jeannette nämlich hatte in dem Zimmer der Fürſtin geſeſſen und gearbeitet; als das Licht ihr zu fehlen anfing, ſetzte ſie ſich auf einen Lehnſeſſel in der bei den ſtarken Mauern des Schloſſes ſehr geräumigen Fenſtervertiefung, und arbeitete, ſo lange ſie ſehen konnte. In der Dämmerung hörte ſie auf und ſank, da ſie einige Zeit müßig ſitzen blieb, in Schlummer. Plötzlich wird ſie durch ein Geräuſch geweckt, richtet ſich auf, ſieht ein ſeltſam flackerndes Licht im Zim⸗ mer und bemerkt mit Erſtaunen den Grafen, der vor dem geöffneten Schreibtiſch der Fürſtin ſteht. Unwillkürlich die Zeugin dieſer Handlung, fürchtet ſie ſich zu verrathen; die großen ſeidenen Vorhänge bedecken die Fenſter ſo, daß ſie gar nicht bemerkt werden kann. Sie beſchließt daher, ſich nicht zu regen und ſich ſchlafend zu ſtellen. Doch beobachtet ſie Alles, was Dolgorow vornimmt. Endlich geht er, nachdem er zuvor beide abgeſchloſſen geweſenen Thüren leiſe wieder ge⸗ öffnet hat. Dieſer Umſtand muß das Mädchen davon über⸗ zeugen, daß hier etwas Geheimnißvolles gegen die Fürſtin, deren traurig geſpanntes Verhältniß zu den Ältern ſie ja längſt kennt, unternommen worden iſt. Sie verbindet die Umſtände mit Dem, was ſie belauſcht, was ſie Jacques vertraut hat; ſie beſorgt durch ihre Unvorſichtigkeit, die ſo aufrichtig von ihr geliebte Gebieterin gefährdet zu haben, ihr Gewiſſen läßt ihr keine Ruhe, ſie muß derſelben geſtehen, was ſie zu wiſſen glaubt, und was ſie geſehen hat. Mit dieſem Vorſatz, durch die treueſte Aufrichtigkeit wo möglich ihren Fehler gut zu machen, will ſie zu der Fürſtin eilen, als dieſe elbſt unver


