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führt werden, ſodaß Niemand im Schloſſe deſſen gewahr
würde. Wenn man ſo den tiefern Wald erreicht hätte,
wollte ihnen Dolgorow erklären, daß ihr und Feodorowna’s Schickſal von der Bewahrung ſeines Geheimniſſes abhange, 4 und ſie dann mit den übrigen Gefangenen in das Innere des Landes abführen laſſen. Erſt nachdem Alles abgethan ſei, ſolle Feodorowna den Hergang der Dinge erfahren, und alsdann würde es ein Leichtes ſein, ihr das Gelöbniß des un⸗ verbrüchlichen Geheimniſſes durch Bedrohung der Gefange⸗ nen abzudringen.
Willhofen war ein verdächtiger Zeuge für Dolgorow. Er beſchloß daher, ſich deſſelben zu entledigen und zugleich durch ihn ſeinen Zweck zu fördern, indem er eben ihn zum Boten wählte, um den Befehl zu überbringen, daß die Mann⸗ ſchaften aufs Schloß kommen ſollten, zugleich aber dem För⸗ ſter, der dieſen Theil der zum Landſturm verſammelten Bauern befehligte, den Auftrag gab, Willhofen nicht mit zurückzuſenden, ſondern ihn bis auf weitere Beſtimmung anderweitig zu beſchäftigen.
Dem wohlüberlegten Entſchluß folgte die raſche That. Er ſchrieb den Befehl, verſiegelte ihn, ſchellte und ließ, da Jacques eintrat, Willhofen rufen.
„Hier iſt ein dringender Brief zu beſtellen, Solanow,“ redete er ihn an.„Du mußt ſofort ſatteln und reiten. Ich mache Dich verantwortlich dafür, daß der Befehl binnen drei E Stunden ſpäteſtens eingehändigt iſt.“
Der Alte verbeugte ſich ſtumm, nahm den Brief und ging. 1
Jetzt ſchöpfte Dolgorow Athem. Die Gefahr ſchien ab⸗ geleitet, die drohende Wolke getheilt. Er ahnete nicht, daß ſein Plan geſcheitert war, noch ehe er zur Ausführuͤng kam.


