Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Es iſt gut! Ihr könnt gehen.

So wie der Kammerdiener fort war, zündete Dolgo⸗ row eine kleine Blendlaterne an, nahm ſie unter den Man⸗ tel und eilte auf Bianca's Zimmer. Es gelang ihm, unbe⸗ merkt einzutreten. Sogleich ſchloß er die Thüren nach beiden Seiten ab und begann die Unterſuchung. Er hatte einige Hauptſchlüſſel zu ſich geſteckt, denen ſo leicht kein Schloß widerſtand, und die er von ſeinem gefährlichen, diplomati⸗ ſchen Verhältniß her beſaß, wo er die Papiere ſeiner Unter⸗ gebenen ſtets insgeheim aufs ſorgfältigſte bewachte, um ſich ihrer Treue zu verſichern. Mit Hülfe dieſer Werkzeuge ge⸗ lang es ihm bald, Bianca's verſchloſſenen Schreibtiſch zu öff⸗ nen. Nach kurzem Suchen fand er unter ihren Briefen den von Nuſchka an ſie obenauf liegen, da ſie ihn erſt vorge⸗ ſtern wieder zurückgelegt hatte. Dieſer hob alle Zweifel; und da er vollends das Portefeuille entdeckte und öffnete, in dem die Portraits beider Ältern ſich befanden, deren Ähnlichkeit mit den Kindern nicht zu verkennen war, ſo bedurfte es wei⸗ ter nicht der mindeſten Erklärung oder Nachforſchung, um zu wiſſen, daß Bernhard der aufgefundene Bruder ſei. Sorgfältig legte er Alles an ſeinen Ort, ſchloß die Thüre wieder auf und eilte auf ſein Zimmer zurück.

Jetzt beſchäftigten ihn die Entwürfe, wie er das kei⸗ mende Unheil am beſten zu erſticken vermöge. Sein Plan war bald gefaßt. Er mußte Feodorowna's Lippe eben ſo verſiegeln wie Ruſchka's durch Drohungen gegen Das, was ihr das Theuerſte auf der Erde war. Die Aufgabe war für den Gewiſſenloſen leicht, nur hatte er die Mittel nicht ſo⸗ gleich in Händen. Bernhard und Ludwig mußten das Loos der im Schloß befindlichen gefangenen Franzoſen theilen. Dann ſollte ihr Schickſal davon abhängig gemacht werden, ob Feodorowna auf die Hoſtie ſchwören wolle, das Geheim⸗