Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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mehr auffiel, als Beide, da ſich die Thuͤr unvermuthet öff⸗ nete, plötzlich den Ausdruck ihrer Züge änderten und die förmliche Haltung der Höflichkeit wieder annahmen.

Was hier vorgegangen war, war zwiſchen der Fürſtin Ochalskoi und einem Fremden ohne Rang und Namen unmöglich. Daher hatte Dolgorow plötzlich den unwider⸗ ſprechlichſten Beweis für den Grund ſeines Argwohns in der Hand. Er überraſchte ihn, da er faſt ſchon davon zurück⸗ gekommen war, ſo mächtig, daß er, der unter den ſchwie⸗ rigſten und gefährlichſten Umſtänden beſonnen und kalt blieb, auf einen Augenblick die Faſſung verlor und ſich eine heftige Bewegung und einen halb erſtickten Laut des Erſtaunens entſchlüpfen ließ. Doch eben ſo ſchnell wie er die Ruhe ver⸗ loren hatte, gewann er ſie auch wieder, indem er zum Schein den Ausruf wiederholte und heftig auf den Boden ſtampfte, aber die Miene annahm, als ſeien es die Nachrichten, die er durch die Briefe empfing, welche ihn bewegten.Es iſt unerhört! unverzeihlich! rief er aus und drückte den Brief ingrimmig zuſammen;man möchte raſend werden über ſolch ein Verfahren!

Sogar Bernhard ließ ſich durch dieſe Maske täuſchen und ahnete nicht, daß das Geheimniß in dieſem Augenblick enthüllt und verrathen war. Geſchickt auf die Stimmung des Grafen eingehend, ſprach er halb fragend halb theilneh⸗ mend:Sie erhalten ſo unangenehme Nachrichten, Herr Graf?

Dieſelbe Frage that die Gräfin, wiewol mit größerer Beſtimmtheit. 1Was kann es ſein, erwiderte Dolgorow,als neue

Urſachen zu den alten Klagen. Durchaus verkehrtes Verfah⸗ 4 ren, unſinnige Anderungen, widerſprechende Beſtimmungen, 4 die Alles kreuzen und lähmen, was man mit eigner Kraft

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