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Verdacht zu erregen, ſchlug er den Gäſten eine Partie Schach vor. Ludwig, der das Spiel nur ſehr wenig kannte, ent⸗ ſchuldigte ſich; Bernhard nahm den Vorſchlag anſcheinend ſehr gern an. Der Kammerdiener brachte ein Schachbret, ſie ſetzten ſich zum Spiel; Ludwig blieb im Zimmer und machte den Zuſchauer.
„Ich habe einen gefährlichen Gegner,“ bemerkte der Graf nach den erſten Zügen;„es wird mir Mühe machen, mich zu vertheidigen.“
„Ihr Urtheil nach ſo wenigen Zügen, Herr Graf, be⸗ weiſt Ihre überlegenheit antwortete Bernhard höflich.
Sie ſpielten indeſſen fort und ſchienen, obwol Beide ihre Gedanken innerlich auf etwas ganz Anderes gerichtet hat⸗ ten, doch mit dem größten Antheil bei dem Spiel zu ſein. Bernhard beſaß Kraft des Geiſtes genug, um ſich zur Auf⸗ 4 merkſamkeit zu zwingen und nicht durch Zerſtreutheit zu ver⸗ rathen, daß ihm der Sieg im Spiel in dieſem Augenblick das Gleichgültigſte auf der Erde ſei.
So vergingen die Vormittagsſtunden, die Tafelzeit kam heran. Die Gräfin ſowie Bianca ſollten bei Tiſch erſchei⸗
nen. Als der Graf am Morgen bei der Tochter geweſen war, hatte er davon als von einer nicht abzuweiſenden häus⸗ lichen Pflicht geſprochen, die geſtern nur durch die Unpäße lichkeit der Gräfin unterbrochen werden durfte. Bianca,
welche jedoch die Gewandtheit Dolgorows, ſich zu beherr⸗ ſchen und die verſchiedenſten Formen ſeines Weſens anzuneh⸗ men, ſchon aus ſeiner frühern diplomatiſchen Laufbahn kannte,
ließ ſich durch ſein argloſes Benehmen nicht täuſchen. Vollends
aber als er den Verſuch machte, durch die Thür, welche
den eignen Ausgang für ihr Zimmer bildete, zu gehen und ſich
erſtaunt ſtellte, daß ſie verſchloſſen ſei, erhielt ſie die völligſte
Gewißheit, daß er ſich verſtelle, zumal da er ſogleich und* 1


