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4„Möglich iſt das. Aber ſollen wir das Außerſte wagen, bevor das Außerſte uns drängt? O mein Bruder, wenn⸗ gleich das heiligſte Band der frommen, kindlichen Liebe und des Vertrauens zu Denen, die ich als meine Ältern ehrte, ſchmerzlich zerriſſen iſt; doch fühle ich mich noch von tauſend Fäden der Gewohnheit und des Dankes gefeſſelt. Müßte ich mich heimlich, flüchtig, in der Nacht von ihnen trennen, ſo würde doch ein tiefer Schmerz in meine Seele ſchneiden und meine Bruſt ſich von dem Vorwurf des Undankes be⸗ laſtet fühlen.“
„Liebe, aber was willſt Du thun,“ antwortete Bern⸗ hard,„wenn Du ſelbſt eingeſtehſt, daß Du Deinen Bruder nicht anzuerkennen wagen darfſt vor Deinen Ältern? Hat denn die Liebe ihr Thun gegen Dich beſtimmt? Oder zogen ſie Dich herauf, nur um Dich zu opfern, mit Deinem ſü⸗ ßen Reiz unwürdig zu markten?“
„Du ſprichſt wahr— doch die Blüten der Liebe und Ehrfurcht, die achtzehn Jahre lang in meinem Herzen keim⸗ ten, hängen feſt an dem mütterlichen Boden. Ich liebte einſt meine Ältern unbeſchreiblich, denn ich hatte nur Wohl⸗ thaten, wenngleich, jetzt fühle ich es, kalt und ſtreng zuge⸗ meſſen, von ihnen erfahren. Doch, hat das Herz auch die freie, ſe öne, heilige Liebe verloren, von den Pflichten des Dankes kann es ſich nicht freiſprechen. Das Gute, was uns geſchehen, feſſelt uns, auch wenn es nicht allein aus 4 dem lautern Quell der Liebe floß. Bruder, rathe meiner ſchwankenden Bruſt, leihe mir Deinen feſten, männlichen Arm in dieſem Sturm widerſtreitender Gefühle, der mich niederzuwerfen droht.“
Mit dieſen Worten nahm ſie wie bittend ſeine Hand und richtete das feuchte Auge zu ſeinem finſter rollenden 4 empor.
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