Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Tuch herunternahm, welches ihr das Geſicht halb bedeckte. Es war Bianca.

Schweſter, Du ſelbſt, in dieſer Verkleidung? rief

Bernhard leiſe, indem er einen Schritt zurücktrat.Um des

Himmels willen, was bedeutet das?

Die Nothwendigkeit drang mir dieſe Maske auf, ent⸗

gegnete Bianca,ich bin eine Gefangene und konnte nur in

dieſer Kleidung zu Dir ſchleichen.

Du eine Gefangene? rief Bernhard erſtaunt; Ludwig trat beſorgt näher.

Laßt mich ſchnell ſein, Ihr Lieben, erwiderte Bianca, denn die Augenblicke drängen. Ich fürchte, unſer Geheim⸗ niß iſt halb oder ganz verrathen. Wir müſſen geſtern be⸗ horcht worden ſein. Als ich Dich verließ und zur Gräfin hinüberging, fand ich ſie in großer Aufregung; ſie ſaß faſt ganz angekleidet auf dem Sopha und ſchrieb. Bei meinem Eintritt raffte ſie die Papiere haſtig zuſammen und ſprach von gleichgültigen Dingen; doch war in ihren Zügen die äußerſte Unruhe nicht zu verkennen. Zwar argwohnte ich,

was geſchehen ſein könnte, doch um ihren Verdacht nicht mehr zu reizen, fragte ich nichts, ſondern begab mich ſo⸗ gleich durch mein Arbeitszimmer, welches an das Wohnge⸗ mach der Gräfin ſtößt, in mein Schlafzimmer, wo mich Jeannette, mein Mädchen, erwartete. Ich ließ mich ſchnell entkleiden und ſchickte ſie weg. Voller Unruhe blieb ich auf. * Ich öffnete die Thür meines Arbeitszimmers ein wenig und hörte, daß die Gräfin noch wach war, und daß ſie ſogar mit Jemandem ſprach. Ich konnte nicht unterſcheiden was, doch glaubte ich an der Stimme den Kammerdiener des Grafen zu erkennen. Endlich wurde es ſtill; ich begab mich

zur Nul e. In der Nacht aber hörte ich deutlich die Thore öffnen und einen Schlitten wegfahren. Dieſen Morgen begab