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Wie auf ein verabredetes Zeichen ſprangen beide Mäd⸗ chen, die bisher in bebender Spannung geſeſſen hatten, auf und ſanken einander in die Arme. Es war die tiefſte Rüh⸗ rung über die Rettung ihrer Geliebteſten aus dieſem furcht⸗ baren Ungewitter des Kampfes. Selbſt die Gräfin wurde weich, ſchloß die Mädchen ſanft an ſich und neigte ihr müt⸗ terliches Haupt gegen ſie hinab.
Am fünften Tage erſt kam ein zweiter Brief von Ra⸗ ſinski, in welchem mit Bleiſtift geſchriebene Blättchen von Ludwig und Jaromir lagen. Raſinski ſchrieb:
„Theure Schweſter! Seit vier Tagen verfolgen wir den Feind raſtlos und haben tägliche Scharmützel. Dennoch rücken wir nur langſam vor, weil die Ruſſen ſich in guter Ordnung zurückziehen. Es würde nicht ſo ſein, wenn un⸗ ſere Erſchöpfung es möglich gemacht hätte, ſie ſchneller zu verfolgen. Die Sorge für die Verwundeten, für unſere Ver⸗ pflegung, nimmt jetzt faſt jeden Augenblick in Anſpruch. Deshalb nur dieſe wenigen Zeilen. Wir haben viele theure Freunde verloren! Zwei Drittheile meines Regiments liegen auf den Anhöhen von Semenowskoi, unter ihnen auch mein alter getreuer Petrowski, deſſen Leiche ich nicht einmal auf⸗ ſuchen und beſtatten konnte. Seit Jahrtauſenden ward keine ſo blutige Schlacht gefochten. Unſere Anſtrengungen ſind unbeſchreiblich, doch mit der Hülfe Gottes ſind wir noch wohlauf und rüſtig. über dem blutigen Schlachtfelde von Borodino wird Polens Sonne der Freiheit aufgehen! Darum, Johanna, traure nicht über die Todten. Das Vaterland wird ihnen Denkſteine ſetzen, daß ihr Ruhm unvergänglich glänze. Lebe wohl, Johanna! Die Morgenröthe bricht endlich an! Freue Dich!“—
„Dein Bruder.“ Ludwigs Blättchen lautete:


