„Marie! Tage brauchte ich, um mein Herz gegen Dich auszuſprechen, und kaum Minuten werden mir. Am Abend vor der Schlacht erfuhr ich den Tod unſerer Mutter. O Dein lieber tröſtender Brief! Mitten im Getümmel des Kampfes war mein Herz nur bei Dir, Du Arme, und die drohenden Gefahren verloren faſt ihre Macht an mir. Bern⸗ hard iſt die treueſte Seele dieſer Erde; er glaubte mich ver⸗ loren und ſuchte mich unter den Todten. Aber wir fanden uns als Lebende. Leb' wohl! Verzage nicht! Der Tag des Wiederſehens und des Glückes kommt auch für uns. Daß mich die furchtbare Schlacht verſchonte, ſei Dir Bürge dafür!“
Jaromir ſchrieb nur:
„Lodoiska, mein holdeſtes Leben! Zittere nicht mehr, alle Gefahren ſind vorüber! Die Schlacht war gewaltig— auch ich betraure viele treue Brüder und Genoſſen. Doch mich beſchützte Dein Flehen! Dir danke ich Alles, Glück und Leben. O könnte ich erſt wieder an Dein Herz ſinken! Boleslaw, Ludwig und Bernhard leben. Theuerſte, lebe wohl und gedenke mein!“
„Dein ewig getreuer Jaromir.“
Dieſe erſten Nachrichten von der eigenen Hand der Ge⸗ liebten machten die Frauen unbeſchreiblich glücklich. Jede leiſe Spur der Zweifel war nun verſchwunden, ſie überließen ſich ganz dem glückſeligen Gefühl, welches nach der über⸗ ſtandenen düſtern Sorge und Gefahr der Bruſt die ſüßeſte Belohnung gewährt.
Nach wie vor beſuchte Lodoiska täglich die Meſſe. Doch ihre Gebete waren jetzo Dankgebete geworden, und ihre Thränen wurden nicht mehr von Angſt und Sehnſucht er⸗
preßt, ſondern ſie floſſen in dankbarer Rührung.
So verging eine Woche. Da traf die Nachricht von dem Einrücken des kaiſerli⸗


