Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

und Behutſamkeit wegen enthalten; allein eine Frau, die

ihren Gatten in der Gefahr weiß, ſollte ihm wol ſo nahe

ſein, um in der Stunde der Noth zu ſeiner Hülfe herbei⸗ 8 eilen zu können.“

„Wenn es nur möglich wäre und geſtattet werden könnte,“ entgegnete Arnheim nicht ohne Bewegung;„uns Soldaten würde eine ſo holde Pflege mit doppelter Kühn⸗ heit dahin treiben, wo die Wunden zu gewinnen wären, denen wir ein ſo ſanftes Glück zu verdanken hätten.“

„Der Troſt für die daheimbleibende Gattin,“ bemerkte die Gräfin,„liegt wol in dem Gefühl, daß der Mann ſei⸗ nen edelſten Beruf erfüllt, daß er für den Ruhm, die Ehre, die Freiheit oder Sicherheit ſeines Vaterlandes kämpft. Eine wirklich edle, des Mannes würdige Gattin wird ſo

4 denken müſſen und darum auch ſo fühlen lernen. Sie darf ihm das Opfer, welches nur ſeiner Perſönlichkeit gelten würde, nicht bringen, weil ſie gar nicht vorausſetzen darf, ohne ihn zu beſchämen, daß er es fordert. Der Mann, der den Umfang ſeiner Pflichten überſieht, weiß auch, daß er, wenn er in den Kampf zieht, dem Vaterlande Mütter und Hausfrauen zurücklaſſen muß, die die heranwachſende Jugend für künftige Zeiten pflegen, ja, daß Habe und Gut des Einzelnen, welches vereinigt das Habe und Gut des Ganzen bildet, zum Beſten des Ganzen ſorgſam verwal⸗ tet werden muß. Durch dieſe Erwägungen ſcheinen mir die Pflichten einer Frau vorgezeichnet und erleichtert zu ſein.“ Nicht nur Arnheim, ſondern auch Marie und ſelbſt Lo⸗ doiska mußten bekennen, daß die Gräfin die Pflichten des Weibes in der würdigſten Weiſe erkenne; ſie hörten ihr mit— Ehrfurcht zu; denn ſo ernſte Selbſtüberwindung ſie forderte, dennoch verleugnete ſie das ſanftere weibliche Gefühl nicht;