— 42——
zehn Uhr bin ich zuverläſſig ſchon eine gute Strecke von War⸗ ſchau entfernt, denn ich habe meinen Wagen vor das Hüraf des Geſandten beſtellt. Alſo bis gegen die neunte Stunde—
„Sind Sie mir der willkommenſte Gaſt,“ unterbrach ihn die Gräfin.
Es wurde Licht in den Salon gebracht und der Thee ſervirt. Das Wetter war wieder rauher geworden; der Wind rauſchte herbſtlich in den Bäumen und ſchlug gegen die Fenſter. Dies erhöhte nur die Traulichkeit des Zimmers; ſelbſt Arnheim vergaß, daß er dieſes Glück nur in ſo flüch⸗ tigem Moment erhaſchen ſollte, daß er in wenigen Stunden durch die rauhe Hand des Krieges ſchon wieder von allem heimiſchen, geſelligen Beiſammenſein für lange Zeit, ge⸗ trennt würde.
Man ſprach von der Schlacht, von den Opfern, die ſie gefordert hatte, von den noch Beklagenswertheren, die erſt nach langer Qual das beruhigende Ziel des Todes erreichen würden. Arnheim ſchilderte mit Sachkenntniß die dringende Noth, welche oft in den Lazarethen herrſche, den Mangel an Geräthſchaften, beſonders aber an verpflegenden Händen.
„Es ſollten,“ rief Lodoiska, von ihrem Mitgefühl hin⸗ geriſſen aus,„jedem Heere Frauen und Mädchen folgen, um die Pflege der Verwundeten zu übernehmen.“
„Und hätteſt Du den Muth zu einem ſolchen Unterneh⸗ men?“ fragte die Gräfin lächelnd, aber doch ernſthaft.
Lodoiska, welche wohl empfand, was ihr den Muth
dazu verleihen würde, erröthete hoch, erwiderte aber ſchnell: „Ja gewiß, ich traue ihn mir zu!“
„Ich weiß nicht,“ ſprach Marie mit zweifelhaftem Ton, „ob Diejenigen, welche nahe Angehörige unter den Kriegern haben, nicht eine ſolche Verpflichtung fühlen ſollten. Wir
Maädchen müßten uns deſſen vielleicht einer falſchen Scheu
8


