Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Laut wurde hörbar. In ihren Blicken glänzte das reinſte Dankgefühl, die heilige Wehmuth der Freude. Die Gräfin war ernſt; auch knieend behielt ſie die Majeſtät ihrer Hal⸗ tung, denn die Hoheit leuchtete von ihrer freien Stirn. Das große, dunkle Auge hob ſich von Zeit zu Zeit unter den langen Wimpern und blickte mit heiligem Ernſt empor.

Das Hochamt war geendet; die Frauen verließen die Kirche. Nahe an der Pforte kreuzten ſich die Strömungen der Menge, ſodaß eine Stockung entſtand. Von beiden Seiten kamen Diejenigen, welche auf dem Chor geſeſſen hatten, die Treppe herab; von drei Seiten drang der Strom aus dem Schiff der Kirche heran. Arnheim hatte ſich nicht wieder an die Frauen anſchließen können; ſie waren allein und hingen ſich feſt aneinander. Jetzt kam auch der fran⸗ zöſiſche Geſandte mit ſeiner zahlreichen glänzenden Umgebung die Stiegen herab. Der Strom des Gedränges führte ſie dicht mit den Frauen zuſammen. Allmälig ſah ſich Marie

ganz von Uniformen umgeben; ſie ſenkte das Haupt, um

den mitunter ſehr dreiſten Blicken dieſer Männer auszuwei⸗ chen. Da hörte ſie einige franzöſiſche Worte von einer Stimme ſagen, die ihr bekannt war. Sie wandte das Auge dahin,

aber als habe ſie auf eine Natter getreten fuhr ſie unwill⸗

kürlich ſcheu zurück und erblaßte, denn ſie ſah vor ſich, das Profil halb gegen ſie gewendet, den gefürchteten, verhaßten Beaucaire und zwei Schritte vor ihm auch St. Luces. Ihre ganze Faſſung mußte ſie zuſammenraffen, um ſich nicht durch einen Schrei zu verrathen; die Kniee zitterten ihr, ſie vermochte kaum einen Schritt zu thun. Sicher wäre ſie niedergeſunken, wenn das Gedränge der herausſtrömenden Menſchen ſie nicht gewaltſam aufrecht erhalten hätte. Ihre Empfindung glich der eines Wanderers, welcher plötzlich entdeckt, daß er ſich neben einer ſchlafend im Graſe liegenden Schlange