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Arnheim ſtand mit tiefer Ehrfurcht vor ihr. In ſeiner
Bruſt regten ſich mächtige Gefühle für ſie, doch er empfand
es ahnend, daß ihr Herz, welches ſich ſo frei, ſo ganz dem großen vaterländiſchen Gefühl hingab, nur von dieſer höhern Flamme, nicht von der ſtillern der Liebe erfüllt werde. Schmerzvoll getroffen ſchwieg er. Das nahe Bild der Ge⸗ liebten, das er ſchon zu umfaſſen wähnte, zerfloß, aber eine höhere, edlere Geſtalt ſchwebte vor ihm und blickte ihn aus lichter Höhe an. Nicht eine Braut wagte er ans Herz zu ſchließen, zu einer Heiligen erhob ſich ſein Blick. Denn ſo ſtand ſie jetzo vor ihm. Mit ſeiner geadelten Empfindung wuchs der ſehnſuchtsvolle Schmerz in ſeiner Bruſt, aber zu⸗ gleich auch die Kraft, ihm zu gebieten.
„Wohl,“ ſprach er männlich gefaßt,„Sie haben Recht. Dieſe große Hoffnung muß uns wie die Flamme des Leucht⸗ thurms als feſtes Ziel mitten in der dunklen ſtürmiſchen Nacht des Lebens leuchten. Auch der Schiffbrüchige darf noch den letzten Blick darauf wenden, und, wenn er edel zu denken weiß, den Troſt mitnehmen, daß, durch ſie geleitet, Andere den Hafen des Glücks, der Freiheit, des Friedens erreichen werden, vor dem er ſcheiterte.“
„Ich glaube, die Gräfin erwartet uns,“ ſprach Marie, die ihr weites Zurückbleiben erſt jetzt mit einiger Verlegen⸗ heit bemerkte;„wir ſind wirklich ganz zurückgeblieben.“ Mit dieſen Worten ging ſie ſchneller vorwärts.
Die Gräfin entdeckte die Bewegung Beider ſogleich; doch mit wahrhaftem Zartgefühl verrieth ſie dies auch nicht durch ein Lächeln, nicht durch einen Blick, ſondern ſchien das Zu⸗ rückbleiben, als rein zufällig, nicht einmal der Bemerkung werth zu achten.
„Der Himmel iſt gefällig für unſern Spaziergang,“ be⸗
merkte ſie, wie ſo eben die Sonne plötzlich durch das Gewölk


