Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Arnheim, der ihr ſtets nahe zu bleiben ſuchte, heftete ſeine Blicke auf ihr ſchönes Angeſicht. Es war bei weitem mehr ſanfte Weiblichkeit, als Hoheit in ihren Zügen, doch etwas ſo Reines, Edles, daß ſich jede Liebe zu dieſer freund⸗ lichen Geſtalt, mit Ehrfurcht, wenigſtens mit der zarteſten Scheu, paarte. Vielleicht war die Gräfin, die einen ſcharfen Blick für alle Verhältniſſe hatte, nicht ohne Abſicht mit Lodoiska weiter gegangen, ſodaß Marie ſo gut als allein mit Arnheim blieb. Nur ſie hatte es nicht bemerkt.

Und was ſucht und bittet das Auge meiner ſchönen Landsmännin dort oben? fragte er endlich, ihr ſtummes Sinnen unterbrechend.

Ach, ich dachte an unſer Vaterland, ſprach ſie mit herzlichem Ton und durchaus unbefangen.Sie haben ſo ſchöne Worte des Troſtes für mich geſprochen, ſo theure Hoffnungen in mir angeregt! Mußte mir nicht dieſer Him⸗ mel als ein Gleichniß unſeres Zuſtandes erſcheinen? Das Licht kämpft mit den trüben Nebeln. Vor einer Stunde lag Alles noch in düſteres Grau gehüllt; jetzt bergen nur noch

weiße, halbgelichtete Schleier die Sonne. So haben Ihre

Worte auch meine Hoffnungen aufgehellt; ſie ruhen nicht mehr hinter ganz düſterm Gewölk!

O, es wird ſich bald ganz zertheilen, rief Arnheim lebhaft.Wir ſind allein. Ich muß vorſichtig ſein, aber einem Herzen, das ſelbſt in weiblicher Bruſt ſo vaterländiſch ſchlägt, wie das Ihrige, darf ich wol ein männliches Ge⸗ heimniß anvertrauen, das Ihre Hoffnungen wie Morgenthau erquicken wird. Der Sinn brüderlicher Eintracht, auf den ich in meinen Worten hindeutete, iſt kein ſchöner Traum, kein frommer Wunſch mehr in unſerm Vaterlande. Lebendig iſt er erwacht; der eiſerne Druck der Zeiten hat die Kraft des Widerſtandes hervorgerufen. Wie der Stahl den Funken