Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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angebaut, aber die neue Erkenntniß konnte ihm noch keine lebendige Frucht in der Geſtaltung ſeines Volkslebens gewähren. Eine ſtürmiſch aufgeregte Fluth brauſte über Deutſchland herein, und unter dem rauhen Schlag ihrer Wellen verſchwanden die alten, tiefeingegrabenen Spuren übererbter Vorurtheile und Vorrechte, Beſchränkungen, Hemmungen, Bedrückungen. Wir trugen dieſe Feſſeln ſchon ſo lange, daß die Gewohnheit unſer Gefühl gegen den harten Druck abgeſtumpft hatte; ja ſie waren in unſer Fleiſch eingewachſen. Doch dürfen wir es nicht vergeſſen, wie leicht wir aufathmeten, als vor zwanzig Jahren die eherne Hand der Zeit zum erſten Male an dieſen Eiſenſtäben unſeres Gefängniſſes rüttelte. Jetzt halten uns neue Bande gefeſſelt, die wir unwillig tragen. Allein ſf 4 dürfen wir in unſerm gerechten Schmerz und Zorn das doch nicht ſchließen, daß wir nicht ſehen ſollten, wie wir,. gleich wir neue Feſſeln tragen, doch der alten entledigt ſind⸗ unter denen wir ſeufzten. Nein, wir ſeufzten kaum, und das war faſt ſchlimmer, denn wir ſanken ſchon in jenen Zuſtand der tiefſten Unwürdigkeit des Sklaven hinab, der das Bedürf⸗ niß der Freiheit nicht mehr empfindet. Jetzt kennen wir es, und ſo dürfen wir nicht verzagen, ein Ziel zu erringen, was leuchtend vor uns ſchwebt; ſei es nun durch eigene Kraft der That, oder durch eine glückliche Wendung der Weltgeſchicke. Dieſe letztere aber könnte eben jetzt leicht eingetreten ſein.

Arnheim hatte ſich ins Feuer geſprochen; er redete für alle Parteien, und darum hörten ſelbſt die entgegengeſetzten ihn gern. Marie wurde durch ſeine Worte in tiefſter Seele erquickt und ihre von ſanfter Freude verklärten Blicke ſagten ihm einen liebevollen Dank.

Die Gräfin ſtand bewegt auf.Wenn ſchon Sie ſo große Hoffnungen an dieſen Sieg knüpfen, ſprach ſie,wie

muß uns das Herz ſchlagen, uns, die wir in dieſer Schlacht