würde mir ſehr weh thun, wenn wir Sie nicht ſehen ſoll⸗ ten; ich hoffe, wir werden Sie dann froher willkommen hei⸗ ßen können.“
Mit dieſen Worten reichte ſie ihm die Hand zum Ab⸗ ſchiede und trat dann raſch umgewendet, weil ſie ihre Angſt nicht mehr beherrſchen konnte, ein. Mühſam erreichte ſie die
ſtillen Gartenzimmer. Marie war die Erſte, die ihr begegnete. „Leih mir Deine Stärke, Marie,“ rief ſie ihr zu und brei⸗ tete die Arme aus,„leih mir Deine Kraft, Theuerſte, daß ich die Todesangſt ertrage, bis wir Nachricht haben!“
„Um des Himmels willen, was iſt geſchehen?“ rief Ma⸗ rie erſchreckt, indem ſie die Freundin, die ſich athemlos an ihre Bruſt warf, ſanft umſchloß. Lodoiska vermochte eine Zeit lang nicht zu ſprechen; Marie hörte nur das laute Pochen ihres Herzens. Sie führte die halb Hinſinkende auf das Sopha. Dort erſt begann ſie nach einigen Minuten in heftigſter Bewegung:„Eine Schlacht iſt geliefert— ſieben⸗ zigtauſend Todte und Verſtümmelte bedecken das Gefilde. Das gräßliche Bild dieſes unendlichen Jammers kann mich wahnſinnig machen!— Ach Marie!— Ich ſehe nichts als Blut und das blaſſe, ſtumme Antlitz der Todten!“
Die Gräfin trat ein. Sie hatte ſchon durch das Kam⸗ mermädchen erfahren, was geſchehen war. Bei ihr überwog das Gefühl des Sieges die Beſorgniß um die Ihrigen. Freundlich, aber ruhig trat ſie auf die geängſtete Lodoiska zu und ſprach:„Komm an mein Herz, liebſte Tochter; weine Dich an der Bruſt Deiner Mutter aus. Dann wirſt Du ruhiger werden und mit Faſſung die ferneren Nachrichten er⸗ warten, die uns ja bald zukommen müſſen.“
Das Beiſpiel der Feſtigkeit, verbunden mit der ſanften
Theilnahme, welche ihre mütterliche Pflegerin zeigte, richtete den Muth der Verzagenden wunderbar auf. Mariens freund⸗


