Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

erſchienen. Oder woben die fieberhafte Leidenſchaft, der krank⸗

gern dafür gebrauchen, oder doch der Beängſtigung in ihre Seele geworfen, der, wie oft ſie ihn durch ernſten Un⸗ willen gegen ſich ſelbſt zu erſticken ſuchte, immer neu auf⸗ glimmte und ſich in dem empfänglichen Stoff ihres Her⸗ zens langſam weiter ſchlich. Bisweilen wähnte ſie ihn er⸗ loſchen, aber plötzlich brach er bei irgend einem Anlaß wie⸗ der neu hervor und ſchien ſich nur tiefer in die innerſten Falten ihrer Seele eingeniſtet zu haben. Dies war eigent⸗ lich die Urſache ihres bangen Grams, ihrer ſchwärmeriſchen Trauer. Nicht daß das Geſpenſt des Argwohns ſie ſo ver⸗ folgt hätte; allein ſie betrachtete bei dem Gefühl ihrer un⸗ verbrüchlichen Treue gegen den Geliebten einen Verdacht ge⸗ gen die ſeinige als das ſchwärzeſte Verbrechen. So litt ſie die zwiefache Qual der Angſt und der Reue über ihre eigne Schuld; nur in der heißeſten Liebe, in der hingebendſten Aufopferung glaubte ſie ihre ſträflichen Gedanken abbüßen zu können, und daher wuchs ihre krankhafte, ſchwärmeriſche Leidenſchaft im doppelten Verhältniß zu der beängſtigenden Qual, die ſie ſtumm in ihrem Innern trug. Konnte ſie alſo durch ihre Liebe und allein in ihr glücklich ſein? Nur in den berauſchten Augenblicken des gänzlichen Vergeſſens war es möglich, wenn ſie Briefe von Jaromir empfing, wenn ſie ihm ſchrieb und im Schreiben ſich glühender und glühen⸗ der entflammte; wenn ſie von ſeiner Nähe, ſeiner Umarmung träumte. Doch bald hing wieder ſchwarzes Gewölk an dem Himmel ihrer Hoffnungen, und Giftpflanzen ſproßten rings um die reine Blüthe ihrer Liebe empor. Mit dieſer nagen⸗ den Qual verband ſich eine tiefe Anlage zur Schwermuth, die von Jugend auf in ihrer Seele wohnte; dieſe ſchuf dü⸗ ſtere, ſchreckende Bilder, welche ihr, da ſie oft in unruhigen Träumen wiederkehrten, bald wie unfehlbare Ahnungen