Schönen drängten. Marie hatte ihre Bruſt durch den kla⸗ ren Born eines entwickeltern Bewußtſeins gereinigt; Ludwigs Ernſt, ſein ſcharfes Denken waren, da er ſich viel mit der Bildung der Schweſter beſchäftigte, nicht ohne Einfluß ge⸗ blieben. Sie hatte das empfangene geiſtige Gut in ihr Eigenthum verwandelt; auf dem Boden des weiblichen Her⸗ zens wuchs die edle Saat vielleicht nicht mehr ſo ſtolz und hoch, blühte aber zarter. Sie fühlte mit Bewußtſein; Ur⸗ theil und Neigung verſchmolzen ſich in ihr, ohne daß ſie es
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wollte und forderte. So empfand ſie auch, ohne es ſich zur klaren Erkenntniß gebracht zu haben, daß in der ſittlich bewußten Seele die Leidenſchaft gar nicht ſo wild empor⸗ 1 wachſen kann, und daß mit ihr, wenn ſie das Herz mit edler Flamme durchdringt, auch alle andern edeln Kräfte, die das Gleichgewicht herſtellen müſſen, gehoben werden. 4
Lodoiska hätte ohne das Beiſpiel der feſten, entſchloſſe⸗ nen Grafin, der ſanft gefaßten Freundin, ſich ſelbſt gewiß nicht mit ſo bangen Blicken beobachtet. Sie erkannte ſich erſt richtiger durch die Vergleichung und lernte das Bedürf⸗ niß einer Kraft kennen, die ihr fehlte, deren Mangel ſie un⸗ ter andern Umſtänden aber vielleicht niemals geahnet hätte.
Dazu ſchlummerte ein unheimlicher Gedanke in ihrer tiefſten Seele; ſie wagte nicht, ihn vor ſich ſelbſt klar wer⸗ den zu laſſen, viel weniger hatte ſie eine fremde Bruſt zur Vertrauten deſſelben gemacht. Von dem Augenblick an, wo. Jaromir ihr theuer wurde, betrachtete ſie— und ſie erinnerte* ſich deſſen nur zu wohl— Francoiſe Aliſette's verführeriſche Reize mit ängſtlichen Blicken. Das Mäͤdchen ſchien ihr un⸗ 1 widerſtehlich; der Vorfall beim Abmarſch des Regiments, den* ſie mit angeſehen, ſo ſehr er nur einer leichten Galanterie ähnlich ſah, war ihr unvergeßlich geblieben. Er hatte einen Funken der Eiferſucht— dies harte Wort möchte man nicht
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