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Roſenbäume, die im Lenz den lieblichſten Anblick gewähr⸗ ten, ſtanden im Halbrund umhergepflanzt; zwar waren ihre Blüthen längſt gefallen, doch ſchimmerte dafür in der Mitte des Platzes ein reiches Medaillon von Herbſtblumen, unter denen ein Flor vielfarbiger Aſtern, die die Kunſt des Gärt⸗ ners beſonders pflegte, ſich auszeichnete. An der innern Seite des Flügels, die nach dem Hofraum und Garten ſah, wohnten Marie und Lodoiska. Sie hatten ſich wie Schwe⸗ ſtern liebgewonnen und ſich daher auch äußerlich ganz dicht und vertraulich einander angeſchloſſen. An den Fenſtern ihres Schlafzimmers, die dicht an dem Eiſengitter lagen, welches ſich quer von einem Flügel des Schloſſes zum andern über den Hof zog und dieſen von dem Garten trennte, rankte ſich Weinlaub empor. Zwar reiften die Früchte ſelten an dieſem Spalier; doch war das Gemäuer auf eine freundliche Weiſe durch das Laub verkleidet, und der Son⸗ nenſtrahl wurde durch das grüne bewegliche Gitter angenehm gedämpft, ohne ganz abgehalten zu ſein. Von dem Schlaf⸗ gemach ging man durch ein Bücherzimmer in das Arbeits⸗ zimmer, und dieſes ſtieß an den Salon. Auf der andern Seite deſſelben wohnte die Gräfin in den Zimmern, die mit denen Lodoiska's und Mariens parallel liefen, aber durch einen Corridor davon getrennt waren. Auch dieſe ſahen auf den Garten hinaus, aber nach der Seite der Ringmauer; auch war derſelbe hier nur etwa dreißig Schritte breit, und der Raum mit hohem, dunklem Gebüſch beſetzt, welches die an der Seitengaſſe, wo Francoiſe Aliſette gewohnt hatte, ſich entlang ziehende Mauer verdeckte, die in einer Flucht von der Seitenwand des Hauptgebäudes auslief. Eine Neihe hoher Pappeln zunächſt dieſer Mauer benahm den Bewoh⸗ nern der Gaſſe jede Ausſicht auf den Garten und die Fen⸗
ſter der Gräfin. So lagen auch dieſe ſehr ſtill und abge⸗


